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Streit zwischen AFP und ddp eskaliert

Martin Vorderwülbecke weht immer heftigerer Gegenwind ins Gesicht. Jetzt versucht AFP-Präsident Pierre Louette den Unternehmer in die Schranken zu weisen: MEEDIA liegt ein Brief vor, indem Paris mit einer medialen Offensive und juristischen Schritten droht – und den ddp-Chef deutlich zurückweist. Vorderwülbecke hingegen will auf Kurs bleiben: Er sagt, er denke nicht daran, klein bei zu geben und wolle stattdessen am Montag die angekündigte Wettbewerbs-Beschwerde bei der EU-Kommission abgeben.

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In dem Papier, das die AFP-Zentrale an der Pariser Börse am Donnerstag verließ, notierte Président-Directeur Géneral Louette: "Ich rate Ihnen dringend, zu den bislang gepflegten Umgangsformen zwischen unseren beiden Häusern zurückzufinden." Er reagierte damit mit fast provokativer Verzögerung auf ein Schreiben Vorderwülbeckes vom 5. Februar, indem der ddp-Chef der international operierenden Agentur ein Gespräch anbot. Dem vorausgegangen war die Ankündigung der DAPD ddp Media Holding AG, gegen die "enorme Subventionierung der AFP" vorzugehen, wie Vorderwülbecke unter anderem am 29. Januar in einem Memo an seine Mitarbeiter schrieb.
Louette aber rief seinen Konkurrenten auf, diese Drohung zurückzunehmen und "die unhaltbaren Anschuldigungen" nicht zu wiederholen. Weiter hieß es in äußerst bestimmendem Tonfall: "Widrigenfalls werden wir uns in der Medienöffentlichkeit sehr offensiv zur Wehr setzen und auch prüfen, ob juristische Schritte angebracht sind." Der AFP-Chef hoffte den eigenen Zeilen zufolge zudem, dass die aktuelle Verstimmung eine "kurzfristige Episode" bleibe. Dann sei AFP auch bereit, mit dem ddp über "mögliche neue Kooperationsfelder" zu sprechen. Agenturen stünden "in der ganzen Welt in einem harten, aber meist fairen Wettbewerb", der vielfach "auch mannigfaltige Formen der partiellen Kooperation" erlaube.
Das hatte auch zwischen AFP und ddp einst geklappt: Noch immer bezieht AFP-International Bilder vom Fotodienst des ddp, um sie im Ausland zu verbreiten. Dieser Vertrag läuft MEEDIA-Informationen zufolge aber Ende Mai aus und wird dem Vernehmen nach nicht verlängert. Will die AFP im Rest der Welt Fotos aus Deutschland vertreiben, muss sie also bis dahin mit einer anderen Agentur kooperieren, wobei dafür eigentlich nur dpa in Frage käme, oder hierzulande ein eigenes Netz an Fotografen aufbauen. Der Stand der Dinge ist bei AFP derzeit allerdings nicht zu erfahren.
Sie steht in Deutschland in deutlicher Konkurrenz zur neuen Allianz aus ddp und DAPD. Zum einen, weil der DAPD die Auslandsmeldungen der US-Agentur Associated Press verkauft, wie AFP-Deutschland die vergleichbar umfangreichen Meldungen aus dem Rest der Welt von den Korrespondenten des eigenen Mutterhauses vertreibt. Zum anderen aber auch, weil zu AFP-Deutschland der Sport-Informations-Dienst (SID) gehört. Er wäre für Vorderwülbecke eine spannende Ergänzung, könnte er doch nur mit einem eigenen Sportangebot den Marktführer dpa wirklich "verzichtbar" machen, wie er sich das stets wünscht. AFP will seinen SID indes nicht hergeben.
Louette wehrte sich auch gegen den Vorwurf, der deutsche AFP-Dienst werde vom Mutterhaus bezuschusst. Er schrieb: "Weder erhält die Agence France-Presse in Frankreich staatliche Zahlungen, die gegen das EU-Recht oder gegen nationales Recht verstoßen, noch transferieren wir Mittel in unsere gewinnbringenden Aktivitäten in Deutschland." Die hiesige AFP GmbH teilte mit, 2009 nach vorläufiger Berechnung einen Gewinn von 407.333 Euro erzielt zu haben. Mit den Lizenzgebühren für die Auslands-Nachrichten, Zinszahlungen sowie Gebühren für technische Services seien zuletzt gar 2,2 Millionen Euro an die Mutter überwiesen worden.
Den "hochachtungsvollen" Grüßen Louettes kann Vorderwülbecke offenbar wenig abgewinnen. Er sagte MEEDIA: "Ich habe nicht vor, hier klein bei zu geben. Wir bleiben auf Kurs!" Das von der renommierten Kanzlei Gleiss Lutz verfasste 20-seitige Beschwerdeschreiben an die EU-Kommission solle daher auch an diesem Montag in die Post gen Brüssel gehen.

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