Tütenweise Promis retten UK-Zeitschriften

Als Kunde freut man sich immer, wenn man zwei Dinge für den Preis von einem bekommt, auch wenn man eins eigentlich gar nicht wollte. Diese besonders weibliche Ökonomie entpuppte sich als Balsam für den britischen Zeitschriftenmarkt. Dank Preissenkungen und "Bagging"-Promotions, bei der Titel eines Verlages reduziert zusammen angeboten werden, gelang es der UK-Print-Branche mit einem blauen Auge durch das vergangene Jahr zu kommen. Insgesamt kauften die Briten 2009 rund eine Mld. Magazine.

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Als Kunde freut man sich immer, wenn man zwei Dinge für den Preis von einem bekommt, auch wenn man eins eigentlich gar nicht wollte. Diese besonders weibliche Ökonomie entpuppte sich als Balsam für den britischen Zeitschriftenmarkt. Denn dank Preissenkungen und "Bagging"-Promotions, bei der Titel des gleichen Verlages reduziert zusammen angeboten werden, gelang es der UK-Print-Branche mit einem blauen Auge durch das vergangene Jahr zu kommen. Insgesamt kauften die Briten 2009 rund eine Mld. Magazine. Damit verzeichnete die Branche nur ein Minus von 1,3% im Vergleich zur Vorjahresperiode.
Besonders die People-Titel wie Heat, Reveal, New! und Ok! waren erfolgreich. Die letzteren beiden Zeitschriften wurden regelmässig gebündelt zusammen mit dem Star als Multipack vertrieben, daher vielleicht auch der Auflagensprung bei New! von satten 50% zum Vorjahr (aber was kann mit Peter André auf dem Cover auch schiefgehen?). Auch die Radio Times der BBC, TV Choice des Bauer-Verlages und das politische Satiremagazin Private Eye konnten zulegen. Dessen Chefredakteur Ian Hislop bekommt auch den Preis für das Zitat der Woche (im Guardian): “Die Auflagen des Eyes sind wie die Shorts von John Terry. In der Vergangenheit waren die zwar mal unten, aber jetzt sind sie wieder ganz fest oben.“
Medienbeobachter kritisierten die Bagging-Promotions als Augenwischerei, und Konkurrenten fuhren die Krallen aus. So kommentierte Jamie Bill, Verleger des Condé Nast Titels GQ, in Mediaweek die Verpackung des Hausfrauentitels She mit dem Männermagazin Esquire seitens NatMags als „das unpassendste Ding, das ich seit der Hochzeit von Liz Taylor und Larry Fortensky gesehen habe.“ Miau.
Condé Nast hat mit Vogue einen Titel unter den stärksten Magazinen im Frauensegment, das um 9,2% in der zweiten Hälfte 2009 zulegte. Deren neuer Titel Wired, der in Großbritannien letzten Mai auf den Markt kam, erreichte fast sein Ziel von 50.000 Auflagen (48.275), aber auch hier wurde wieder gemeckert: 10.000 Kopien von Wired wurden umsonst verteilt, über 10.000 weitere werden zur billigeren Abo-Rate vertrieben und über 8.000 werden im Ausland verkauft. Wired wurde mal von Homer Simpson als Weird gelesen, und so scheint die triumphale Analyse dieses Auftakts seitens Condé Nast auch zu sein. Dies als großen Erfolg darzustellen ist etwas seltsam.
Soviel zu den guten Nachrichten, jetzt die schlechten: Zeitungen. Mit zweistelligen Rückgängen in 2009 muss man sich langsam sorgen, in welchem Papier die guten alten Fish & Chips künftig eingepackt werden. Die Times sackte um 17.7% ab, und die Konkurrenten Guardian, Independent, Daily Telegraph und Daily Mirror fielen ebenfalls bis fast 12%. Die Auflage der Financial Times ging mit nur 8,5% noch am Geringsten zurück unter den Qualitätstiteln. Die Sun blieb unter der -5%- Marke, und konnte im Januar wieder über drei Millionen Exemplare klettern. Der Sex-Skandal von John Terry half seiner Karriere und Ehe zwar weniger, aber der Sun dafür umso mehr. Und das Red Top Daily Star von Richard Desmond, deren Titel sich fast exklusiv durch fehlende Unterwäsche auszeichnen, war die einzige Zeitung, die mit 1,4% anstieg.
Der groesste Verlierer Times sowie der Telegraph haben im Dezember ihre Mengen-Rabatte (bulk distribution) für Hotels, Gyms, etc. endgültig abgeschafft. Dennoch geben die beängstigenden Auflageneinbrüche bei den Tageszeitungen der Paid-Content Debatte erneute Dringlichkeit. Bislang sind die Webseiten der großen britischen Tageszeitungen alle umsonst zu lesen. Die Times wird wahrscheinlich im Mai auf ein Zahlungssystem umstellen. Bei den Auflagezahlen ist dies auch dringend nötig.

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