Komitee: Mehr Gewalt gegen Freelancer

Weil Nachrichtenorganisationen ihren Stamm an festen Mitarbeiter abbauen, sind immer mehr freiberufliche Journalisten Übergriffen und Gewalt ausgesetzt. Allein 2009 wurden neun Freelancer bei der Ausübung ihrer Arbeit ermordet, 60 waren weltweit in Gefängnishaft. In seinem 359-seitigen Jahresbericht zieht das Komitee zum Schutz von Journalisten aber auch positive Schlüsse: Neue elektronische Informationskanäle reichen in jeden Winkel der Welt und haben durchaus Einfluss auf die Machthaber.

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Die Sparmaßnahmen, mit denen die Branche auf die Medienkrise reagiert, spiegelt sich auch in den Opferzahlen des investigativen Journalismus.
Während die großen Medienhäuser früher von ihrer Zentrale Journalisten und Korrespondenten in alle Welt entsandten, bedienen sich TV-Sender und Zeitungsverlage heute aus Kostengründen zunehmend der Arbeit von Freelancern vor Ort.

Diese freien Mitarbeiter müssen ohne die Protektion einer großen Organisation auskommen und sind oft den Repressalien durch Regierungen, Militärs oder Kriminelle schutzlos ausgesetzt. Die Nichtregierungsorganisation Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) erfasst in ihrem Jahresbericht alle verfügbaren Verletzungen der Pressefreiheit weltweit.

Iran, Burma, Philippinen, China, Russland, Mexiko, Pakistan und Kuba rangieren hinsichtlich der Verletzungen der Pressefreiheit 2009 ganz oben. Und die Opfer sind zunehmend freie Journalisten: "…das Medien-Geschäft verändert sich schnell. Da sie sich keine Korrespondetenbüros mehr leisten können, verlassen sich immer mehr Zeitungen und Magazine auf freie Mitarbeiter im Ausland. Diese Stringer sind Diktatoren und militanten Gruppen genauso suspekt – und sie sind entschieden gefährdeter", heißt es im CPJ-Bericht. Ohne eine Medienorganisation im Rücken erführen viele Gewaltakte gegen diese Journalisten nur unzureichende Aufmerksamkeit.

"Neun Freelancer wurden als Vergeltungsmaßnahmen für ihre Arbeit ermordet, 60 weitere waren Ende letzten Jahres weltweit inhaftiert. Da Verlage und Fernsehsender weiterhin ihre Belegschaften abbauen und nach Wegen suchen, kostengünstiger über Konflikte zu berichten, kann die Anzahl dieser Fälle nur steigen."

Aber die veränderte Situation birgt auch neue Möglilchkeiten. Blogs, E-Mail und Soziale Medien beeinflussten zunehmend die öffentliche Wahrnehmung. Zwar sei es nach dem Bedeutungsverlust der traditionellen Medien sehr aufwändig, über die Nutzung neuer elektronischer Medien auf diversen Kanälen eine große Aufmerksamkeit zu erzielen. Aber "diese Strategien sind sogar in Gegenden effizient, wo man es nicht erwarten würde. Auch die repressivsten Regierungen reagieren auf internationalen Druck."

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