Oliver Pocher, das ewige Talent

Oliver Pocher hat beruflich gerade ziemliches Pech. Sein Sendeplatz am Freitagabend ist alles andere als dankbar. Die Quoten sind schlecht, die Kritik zerreißt den Komiker gerne mal in der Luft. Dabei ist Pocher durchaus ein Mann mit Talenten. Allerdings zeigt sich, dass er bei seinem Wechsel zu Sat.1 zu hoch gepokert haben könnte. Pocher kann die überzogenen Erwartungen seines Senders nicht erfüllen. Eher früher als später wird man bei Sat.1 Konsequenzen ziehen.

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Pocher war Bestandteil einer Programm-Offensive bei Sat.1, die noch der bereits wieder ausgeschiedene Geschäftsführer Guido Bolten losgetreten hatte. In einem finanziellen Kraftakt hat Sat.1 Johannes B. Kerner als journalistisches Aushängeschild vom ZDF abgeworben und Oliver Pocher als Zugpferd für die junge Zielgruppe bei der ARD. Das Problem von Sat.1: Beide Neuzugänge wurden gnadenlos überschätzt. Während Kerner mit seiner Journalismus-Simulation quälend lange und langweilige Sendungen mit miesen Quoten produziert, kommt auch das ewige Talent Pocher nicht zu Potte.

Nur drei der bisherigen 17 Shows erreichten bzw. übertrafen bei den 14- bis 49-Jährigen den Sat.1-Jahresdurchschnitt von 10,9 Prozent. Seit dem 18. Dezember gelang das kein einziges Mal. Im Durchschnitt liegt "Die Oliver Pocher Show" bisher bei 8,7 Prozent, also gut zwei Punkte unter dem Sat.1-Normalwert.

Dabei ist Pocher gar nicht mal so schlecht wie seine Quoten. Der Mann hat ein großes Talent, mit wenigen Sätzen und Gesten Leute zu parodieren. Wie er am vergangenen Freitag aus dem Effeff wieder seine Mario-Barth-Parodie aus dem Ärmel schüttelte oder wie er die Video-Gruß-Botschaft von Boris Becker zur Geburt seiner Tochter (mit Beckers Ex-Verlobten Sandy Meyer-Wölden) persiflierte, das hatte durchaus Witz. Pochers Problem aber ist: Er füllt das Late-Night-Format nicht aus. Wenn der Vorspann ausgelaufen ist, sich die Bühnentür öffnet und der eher schmächtige Pocher hinaustritt, merkt man unterbewusst: Hier stimmt nicht. Was will der kleine Mann auf der großen Bühne?
Pocher kann witzig und spontan sein. Seine Auftritte als Deutsch-Rapper Edusho sind besser als vieles andere, was im deutschen TV gemeinhin unter Comedy läuft. Aber dazwischen gibt es lustlose Talks, aktuell mit DJ Bobo, einen Gesangsauftritt und belanglose Spielchen. Dass Harald Schmidt Pocher als Partner verpflichtet hat, war ein Missverständnis. Dass die beiden sich getrennt haben, hat man dann wiederum bei Sat.1 gründlich missverstanden. Die Senderchefs holten Pocher, um eine Art jungen, frechen Gegen-Schmidt zu etablieren. Das ist gründlich in die Hose gegangen.

Es mutet paradox an, dass nun ausgerechnet Pochers Show als gefährdet gilt, über Johannes B. Kerner aber niemand diskutiert. Das mag daran liegen, dass "Kerner" einfach die größere TV-Marke ist. Durch die Jahre beim ZDF hat sich Kerner etabliert. Bei ihm hegen die Verantwortlichen vielleicht noch die Hoffnung, dass er sich über die lange Strecke doch noch als Sender-Gesicht durchsetzt. Bei Pocher dürfte der Geduldsfaden deutlich weniger belastbar sein.

Für die "Oliver Pocher Show" hat Spiegel TV infotainment ein teures Studio im alten Residenz-Theater in Köln eingerichtet. Jetzt wird mit bangen Blicken auf die miserablen Quoten geschaut. Der Sat.1-Teilzeitgeschäftsführer Andreas Bartl dürfte sich das Debakel nicht mehr allzu lange anschauen. Eine Entwicklung nach oben ist nicht auszumachen. Die Show vom vergangenen Freitag war mit einem Marktanteil von 6,7 Prozent sogar die schwächste seit dem Start. Kein Wunder. Das junge Publikum, das Pocher ansprechen soll, ist Freitagabends tendenziell eher selten zu Hause vor der Glotze. Zumal im Karneval. Für Pocher muss ein mögliches Aus für seine aktuelle Show aber nichts Schlechtes bedeuten. Vielleicht findet der bis dato so glücklose Sender Sat.1 dann endlich ein Format und einen Sendeplatz, der zu ihm passt.

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