Grazia: 30 Anzeigenseiten zum Start

Eine Startnummer voller Anzeigen: Ausgerechnet der bisher eher der Vertriebsecke zugerechnete Verlag Klambt überrascht bei Grazia mit einem Erstling, für den 30 Seiten an überwiegend hochwertige Brands verkauft werden konnten. Zum Vergleich: Bauers Life & Style, das heute ebenfalls zum Kampfpreis von einem Euro ausliegt, hat gerade zwei Anzeigenseiten. Und nicht nur in der Vermarktung haben die Baden-Badener ganze Arbeit geleistet: Das Magazin gefällt mit einem breiten Themenspektrum und cleaner Optik.

Anzeige

An den meisten Kiosken liegt die neue Zeitschrift neben der Gala aus und braucht den Vergleich auf den ersten Blick nicht zu scheuen. Zwar wirken die People-Geschichten des Gruner + Jahr-Klassikers deutlich feiner herausgearbeitet und "erwachsener" als bei der Grazia, die hier eher den rauen Ton der jungen Weeklies anschlägt. Dafür landet sie gegenüber Gala bei Mode, Beauty und Shopping einen klaren Punktsieg.
Natürlich hat Klambt seine jüngste Zeitschrift zum Launch auch üppig ausgestattet. 136 Seiten – 24 mehr als bei der Gala – erlauben es der Redaktion, mit den Optiken verschwenderisch umzugehen und etwa eine Beauty-Strecke mit fünf ganzseitigen Gesichtern zu inszenieren. Dass in einem Frauenmagazin ein Pro und Kontra zu Fußballtrainer Jogi Löw erscheint, darauf muss man erst mal kommen. Bei Grazia ist es eine der "10 Storys der Woche". Aber gerade an solchen Kleinigkeiten zeigt sich, dass Chefredakteur Klaus Dahm darum bemüht ist, neue Akzente zu setzen.
Grazia soll und darf keine Me too-Zeitschrift werden. Interessantes Experiment in diesem Zusammenhang ist die Integration von harten Themen wie Hunger oder Krebsleiden in ein Heftkonzept, das zuallererst Fashion- und Style-Guide sein will. Diese Kombination blättert sich noch etwas ungewohnt, auf jeden Fall wirkt sie nicht störend. Ob diese Strategie auf Sicht erfolgreich ist und eine neue Farbe in die Welt der People-Magazine bringt, wird zu beobachten sein. Vorläufig überzeugendstes Argument der Redaktion ist der stilsichere Produktteil. Trends, Shoppingtipps und Design-Strecken wirken hochwertig und nicht abgeguckt, bewährte Rubriken (Partys der Woche, Food-Seite) gibt’s on top. Lediglich der Event-Guide überzeugt noch nicht.
Anders als die hoffnungslos verkopft gestartete deutsche Vanity Fair ist Grazia eigentlich schlicht und schnörkellos. Ganz sicher ist das Magazin nichts Revolutionäres. Aber der Titel ist gut gemacht und hautnah an den Interessen der Zielgruppe orientiert. Manchmal ist gerade diese Bodenständigkeit die Grundlage für Erfolg.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige