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Pressevertrieb erklärt sich zum Print-Retter

Der deutsche Pressevertrieb feiert sich als Retter des Qualitätsjournalismus: Die VDZ Zeitschriften Akademie und das Fachmagazin dnv haben gestern in der denkmalgeschützten Spiegel-Kantine zum ersten Mal den Futurum Award vergeben. Ziel: "Der Preis soll die Aktivitäten des Vertriebs in der Öffentlichkeit sichtbar machen", erklärte dnv-Verleger Peter Strahlendorf. Der Pressevertrieb strotzt vor Selbstbewusstsein, denn mit dem Aufkommen der Anzeigenkrise sitzt er nun im "Driver's Seat".

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Der Preis wurde in drei Kategorien vergeben: bester Absolvent des Zertifikatkurses "Experte des Pressevertrieb", beste Leistung im Pressevertrieb und ein Ehrenpreis für die beste Ausbildungsstätte. Den Preis als bester Student bekam Dominik Lutz vom MZV Moderner Zeitschriften Vertrieb. Die V. V. Vertriebs-Vereinigung Berliner Zeitungs- und Zeitschriften Grossisten wurden für ihre Gutschein-Aktion an 20 Schulen im gesamten Bundesgebiet geehrt. Den preis für die beste Ausbildungsstätte vergab die achtköpfige Jury an Mölk Pressegrosso Vertriebs GmbH in Osnabrück.
Das Juroren-Gremium setzt sich aus je vier Mitgliedern der Initiatoren und vier Mitgliedern aus der Praxis zusammen. Die Auswahl war aber offensichtlich nicht sehr schwer gefallen. Strahlendorf bedauerte die geringe Zahl der Einsendungen. "Seien sie stolz und seien sie mutig", so der Appell des Verlegers. Wer beim Pressevertrieb nur die logistische Seite sehe, sei wie ein Schüler, der gerade einmal das Alphabet erlernt habe. "Der Begriff des Vertriebs ist gerade in Zeiten der Anzeigenkrise wesentlich weiter gefasst."
"Die Vertriebsleute müssen lernen, dass sie spätestens seit 2005 im Driver’s Seat sitzen", erklärte Strahlendorf. Inzwischen generierten die Verlage in Deutschland mehr als 50 Prozent der Umsätze durch den Vertrieb. Diese Erkenntnis habe auch zu der Idee des Futurum Awards geführt.
"Offensichtlich schließt der Preis eine wichtige Lücke, weil er die Leistungskraft des Pressevertriebs in den Vordergrund stellt. Angesichts der eingebrochenen Werbeerlöse spielt der professionelle Vertrieb eine immer wichtigere Rolle", sagte dnv-Chefredakteur Ralf Deppe. Der Futurum ist erst der dritte Preis, der im deutschen Pressevertrieb vergeben wird – neben Axel Springers Goldener Vertrieb und Sally, dem Vertriebspreis des Arbeitskreis Mittelständischer Verlage.
Gastgeber der Preisverleihung war der Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe, der zu Beginn der Veranstaltung deutliche Worte fand, wie dramatisch die Bedeutung des Vertriebs in der deutschen Medienlandschaft tatsächlich ist. "Man muss kein großer Visionär sein, um zu sehen, dass Verlage in Zukunft immer mehr vom Vertrieb leben werden. Der Spiegel generiert heute schon zwei Drittel seiner Erlöse aus dem Vertrieb", so Saffe. Vor zehn Jahren sei das Verhältnis zu den Werbeeinnahmen noch umgekehrt gewesen. "Wir werden unsere Vertriebserlöse weiter erhöhen müssen", folgerte der Spiegel-Chef.
Zum Schluss appellierte auch er: "Nur nicht bange machen lassen, Print ist noch lange nicht tot. Für zukunftsfähigen Journalismus brauchen wir guten Nachwuchs."

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