Wird DerWesten zum Boulevard-Portal?

Die WAZ-Plattform DerWesten soll zu einem Unterhaltungsportal umgebaut werden und einen Teil seines journalistischen Angebots an die Adresse Waz.de abgeben: Das berichtet der gewöhnlich bestens informierte "Pottblogger" Jens Matheuszik. Noch im Dezember hatte Ex-Chefredakteurin Katharina Borchert gegenüber MEEDIA entsprechende Pläne entschieden abgelehnt, weil "kaum noch jemand im Browser den Namen eines Einzeltitels eingibt. DerWesten hat sich eindeutig als die Online-Dachmarke durchgesetzt."

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Medienberater Thomas Knüwer verfügt über ähnliche Informationen von einer Betriebsversammlung der WAZ New Media, die am Montag stattgefunden haben soll. Demnach soll die Internet-Tochter des Medienhauses rund sechs Stellen einsparen. Zudem ist nicht ausgeschlossen, "dass es eine komplette Umpositionierung gibt", wie Knüwer schreibt. "Denkbar wären Nachrichtenseiten unter den Namen der Zeitungen, zum Beispiel Waz.de, und ein Portal Der Westen, dass sich um boulevardeske Unterhaltungsthemen und um Veranstaltungen bemüht – nackte Haut nicht ausgeschlossen." 
Matheuszik berichtet: "Insidern zufolge soll das ganze ein wenig der früheren Startseite der Bild-Zeitung im Internet ähneln, so dass es nicht wundert, wenn man von einer ‚BILDisierung‘ sprechen kann – inzwischen sind ja bei der WAZ-Mediengruppe einige Verantwortliche, die vorher beim Axel-Springer-Verlag ihr Geschäft gelernt haben…"
Das ehrgeizig gestartete Portal der WAZ-Gruppe erfuhr seit dem angekündigten Weggang von Chefredakteurin Katharina Borchert noch keine wesentlichen Änderungen. Obwohl sich die scheidende Chefin formal noch im Urlaub befindet, haben nun der neue Chefredakteur Ulrich Reitz und ein Sprecher der Unternehmensberatung Schickler bereits den weitreichenden Strategiewechsel angekündigt.
Für die Entwicklung des Portals und die WAZ-Bilanz der einstigen Alpha-Bloggerin Katharina Borchert bedeutet dies nichts weniger, als wesentliche Grundsätze der vergangenen Jahre sich zumindest aus Sicht des Konzerns nicht als zukunftsfähig erwiesen haben und dass viele Anstrengungen umsonst waren. Während Borchert, die als Quereinsteigerin geholt und mit einer großen Machtfülle ausgestattet worden war, viel probierte und auf weitreichende Nutzerbeteiligung sowie Individualisierung des Angebots setzte, scheint es nun zu heißen: Keine Experimente.
Das neue Konzept, so es vom Unternehmen in der jetzt kolportierten Form bestätigt wird, zielt auf schnellen Reichweitenzuwachs und eine Distanzierung des weniger boulevardesk orientierten Rivalen RP Online, den DerWesten unter Katharina Borchert nicht überflügeln konnte.

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