Hubert Burda feierte bei „Beckmann“ rein

Der Münchner Verleger Hubert Burda feiert seinen 70. Geburtstag an diesem Dienstag zunächst live im Fernsehen. Beim ARD-Talk "Beckmann" gab er gemeinsam mit seiner Gattin Maria Furtwängler ein Gastspiel. Geladen waren außerdem mit Karl Lagerfeld und Reinhold Messner zwei langjährige Begleiter der Burda-Familie. Nach Mitternacht gab es Blumensträuße und Gratulationen für den Verleger und seine Frau. Davor redete Burda freimütig über unternehmerische Erfolge, Fehltritte und Privates.

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Auf die Frage des Moderators an Hubert Burda, wie er denn seinen 70. Geburtstag feiern werde, fiel dem gleich seine Frau ins Wort: "Bescheiden!" Danach fielen die Begriffe Kaisersaal und Residenz. Was bei den Burdas eben so als bescheiden durchgeht. Für ein paar lustige Sprüche sorgte Karl Lagerfeld. Dass Hubert Burdas Vater, "Senator" Franz Burda zahlreiche Himalaja-Expeditionen von Reinhold Messner finanziert hatte, kommentierte KL: "Ich bin ja eher ein Social-Climber. Ich hab eine Versicherung, die es mir nicht erlaubt, irgendeinen Gefährlichen Sport zu machen. Nichts nichts nichts. Darauf Beckmann: "Gut, dass wir das geklärt haben."

Neben solchen Ausflügen ins Realsatirische nahm die Burda-Biografie naturgemäß viel Raum in der Geburtstagssendung ein. Die Schwierigkeiten des kunstsinnigen Hubert, sich im Familienunternehmen gegen die dominanten Eltern, Vater Franz wie Mutter Aenne, zu behaupten, wurden schon oft thematisiert und auch in der "Beckmann"-Sendung war der nun 70-jährige Hubert Burda streckenweise vor allem noch der Sohn. Burda selbst ließ das Geplauder gelassen über sich ergehen. In sich ruhend und gar nicht so "besessen", wie seine Frau mehrmals betonte ("Er fängt morgens um fünf Uhr an, Ideen zu diktieren").

Burdas erstes verlegerisches Scheitern mit der Männerzeitschrift M, seine Pleite mit dem gemeinsam mit Rupert Murdoch verlegten Ossi-Krawallblatt Super Zeitung – alles kam auf Beckmanns Tisch. Bemerkenswert war, wie offen und freimütig Burda heute Fehler und Sorgen der damaligen Zeit zugeben konnte. "Bei der Super-Zeitung ist ein Haufen schief gegangen", sagte er lapidar, viele Schlafanzüge habe er damals durchgeschwitzt, das Unternehmen sei auf der Kippe gestanden: "Fast war alles vorbei. Und dann kam der Focus." Im Prinzip hätten nur er selbst, Helmut Markwort und Uli Baur an das Magazin geglaubt, das ein gigantischer Erfolg wurde. Burda hatte mit Focus sein Unternehmen, seine Karriere, sein Erbe, alles auf eine Karte gesetzt. Dass Markwort, damals den Focus zum Erfolg gemacht hat, hat Burda ihm nie vergessen. Das erklärt vielleicht auch die Nachsicht des Verlegers bei der aktuellen Diskussion um den Führungswechsel bei dem mittlerweile angeschlagenen Magazin.

Und die Zukunft? Die Kinder erben mit 27, weil Burda der Meinung ist, dass man in diesem Alter über genügend Reife verfügt, um zu entscheiden, wohin die Reise des Lebens gehen mag. Auf die Frage, ob seien Frau verlegerische Ambitionen hege, antwortet Maria Furtwängler, dies sei "noch nicht wirklich Thema". Der Verleger bekräftigte: "Natürlich kann sie es!" Meinte damit aber weniger das klassische Verlagsgeschäft ("Das ist eine ganz eigene Welt."), sondern die neuen Medien.

Zumindest eines wurde bei der "Beckmann"-Sendung klar, auch wenn der Moderator den Verleger stets schnell abwürgte, wenn der anfing, über das Internet zu schwärmen: Trotz seines Spruchs von den "lousy pennies", die man im Netz verdiene, und der Klage über die "schleichende Enteignung" der Verlage durch Google – Hubert Burda ist wahrscheinlich der deutsche Verleger, der wie kein zweiter das Internet und den digitalen Wandel früh als Chance und nicht als Gefahr gesehen hat.

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