FAZ: ZDF ignorierte Online-Finanzlimit

Sind die Ausgaben von ARD und ZDF "nur für Abgebrühte kein Skandal"? Die FAZ jedenfalls kritisiert nach Durchsicht des 17. Berichts der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) die Öffentlich-Rechtlichen hart. "Milliarden fließen, im Internet gibt es kein Halten mehr", befindet Medien-Redakteur Michael Hanfeld. Tatsächlich: Die rund acht Milliarden Euro, die die beiden großen Sender relativ konstant einnehmen, werden allmählich in digitale Kanäle und ins Online-Angebot umgeschichtet.

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Die Finanzprüfer der KEF hatte bei Vorlage des Berichts vor einigen Tagen betont, ARD und ZDF seien der Aufforderung zu Einsparungen im Personalbereich noch nicht nachgekommen. Aber natürlich enthält der ausführliche Report mehr medienpolitischen Sprengstoff, wenn man ihn sucht: Für die privaten Verleger (und die FAZ) ist das vor allem die Expansion im Internet.
Dabei rechnet Hanfeld nach, dass ARD und ZDF die bis 2008 geltende Bindung, nicht mehr als 0,75 Prozent der Etats für die Online-Angebote auszugeben, mehrfach überschritten haben. Das ZDF sei 2008 bei 1,16 Prozent angelangt.
In realen Zahlen bedeutet dies: ARD und ZDF werden vom vergangenen Jahr bis 2011 rund 611 Millionen Euro in die Online-Auftritte stecken. Zum Vergleich: Von 2005 bis 2008 haben die Sender 284,8 Millionen Euro in ihre Web-Aktivitäten investiert. Die Summe wird sich also mehr als verdoppeln. Dass eine Seite wie sportschau.de 1,75 Millionen Euro im Jahr ausgeben darf, ist für die privat finanzierte Konkurrenz von Kicker.de bis sport1.de in der Tat keine gute Nachricht.
Die für Medienpolitik zuständigen Länder haben die (informelle) Online-Grenze aber ohnehin aufgegeben. Seit dem vergangenen Jahr müssen sich die Sender laut Beschluss der Ministerpräsidenten an gar keine Quote mehr halten. "Strafe für ihre zeitweilige Überziehung müssen sie nicht fürchten", gibt Hanfeld resigniert zu bedenken. 
Neben den horrenden Online-Ausgaben sind die Personalkosten bei der ARD mehr als erwähnenswert. In den Jahren 2009 bis 2012 werden über 300 Millionen Euro mehr an die Angestellten ausgezahlt, als die den fünf Jahren zuvor (2004-2008). Das bedeutet, dass die ARD bis 2012 ganze 5,99 Milliarden Euro aufwenden wird. Beim ZDF bleiben die Personalkosten mit 1,08 Milliarden Euro bis 2012 etwa auf dem Niveau des Fünfjahreszeitraums zuvor. Bei diesen Zahlen sind die Honorare für freie Mitarbeiter noch nicht einmal mitgerechnet.
Allfällige Klagen der Öffentlich-Rechtlichen über stagnierende Einnahmen und unzureichende Gebührenerhöhungen können angesichts der KEF-Lektüre – und im Vergleich zur Lage der privaten Medienwirtschaft – wirklich provozierend wirken. Hanfeld: "Ein klammer öffentlich-rechtlicher Rundfunk sieht anders aus, der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk hält sich weiterhin als der teuerste und reichste weltweit."

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