Telefonbuch-Tycoon kauft Abendzeitung

Der fränkische Medien-Unternehmer Gunther Oschmann hat die Nürnberger Abendzeitung gekauft. Oschmann wurde reich mit dem Drucken von Telefonbüchern. Sein Unternehmen Müller Medien verlegt Telefon- und Banchenbücher in mehreren Ländern in hoher Millionen-Auflage. Außerdem ist er an diversen lokalen und regionalen Radiosendern, vor allem in Bayern, beteiligt. Oschmann gilt in Franken als exzellent vernetzt. Der klammen Abendzeitung verschafft der Deal zunächst ein wenig Luft.

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Immer wieder gab es in der Branche Verkaufsgerüchte, die ebenso regelmäßig vom Abendzeitungs-Verleger Johannes Friedmann dementiert wurden. Nun hat das Haus immerhin die Nürnberger Ausgabe für einen nicht genannten Preis verkauft. Die beiden Abendzeitungen in München und Nürnberg bleiben aber verbunden. Die Münchner Redaktion wird weiterhin den überregionalen Teil für die Nürnberger Abendzeitung produzieren und die überregionalen Anzeigenflächen vermarkten. Oschmann kümmert sich ausschließlich ums lokale und regionale Geschäft. An der Region hängt er, er gibt auch gerne Heimatbücher über Nürnberg und Franken heraus, in der CSU ist er natürlich auch aktiv, er hat u. a. einen Sitz in der Industrie- und Handelskammer und Posten in Kultur-Einrichtungen.

Neuer Geschäftsführer der Nürnberger Abendzeitung soll Roland Finn werden, der für Oschmann bereits seine Radio-Holding managt. Die 20-köpfige Redaktion in Nürnberg soll weiterarbeiten wie bisher, ein Stellenabbau ist nicht geplant. Zum Deal gehört auch noch das Anzeigenblatt Frankenreport. Die Nürnberger Ausgabe der Abendzeitung kommt auf eine Auflage von rund 17.000 Exemplaren. Insgesamt liegt die Auflage der Abendzeitung bei rund 137.000 verkauften Exemplaren. Die Nürnberger Abendzeitung ist selbst bisher auch an einigen Regionalradios beteiligt, u. a. Radio Gong in Nürnberg. Diese Beteiligungen werden, wohl aus kartellrechtlichen Gründen, nicht von Oschmann übernommen.

Mit dem regionalen Geschäft kennen der Verleger und seine Manager sich bestens aus. Egal ob Telefonbücher, Radio- oder TV-Beteiligungen – der öffentlichkeitsscheue Oschmann wirkte stets im Lokalen, bevorzugt in Bayern. So hält er u. a Anteile am Münchner Stadtradio Charivari , Radio Gong und an Antenne Bayern. Durch seine hohe Vernetzung in der Region, dürfte er die Nürnberger Abendzeitung stärker als Lokal- und Regionalblatt positionieren. In Bayern ist er auch in den Medien-Gremien gut verdrahtet. Einmal gab es ein bisschen Ärger, weil er dem ehemaligen Chef der Bayerischen Landesmedienanstalt (BLM) mit einem privaten 30.000-Euro-Kredit ausgeholfen hat, den er anschließend nicht zurückhaben wollte. Das hat ein Gschmäckle, weil die BLM immerhin für die Zulassung der privaten Radio- und TV-Stationen im Freistaat zuständig ist. Aber so ist halt das regionalen Business – man kennt sich, man schätzt sich, man hilft sich.

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