Büchner formuliert dpa-Leitfaden

Nach einer erneuten Falschmeldung bei der Deutschen Presseagentur (dpa) hat der neue Chefredakteur Wolfgang Büchner seinen Redakteuren in einer E-Mail eine Art dpa-Leitfaden geschickt. Medien-Journalist Stefan Niggemeier fasst die Kernbotschaft der Ansage mit den Worten "Lieber spät als falsch" zusammen.

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Der Appell an die dpa-Mitarbeiter liest sich wie ein Hand-Out an Journalistik-Studenten im ersten Semester. Büchner fordert mehr Sorgfalt im Umgang mit Quellen. Bei der Überprüfung ginge Richtigkeit immer vor Geschwindigkeit. In der Regel sollten alle Informationen geprüft werden. Der dpa-Chef stellte sogar eine Liste auf mit Informationen, die in jedem Fall immer geprüft werden müssen. Darunter finden sich zum Beispiel Personalien, überraschende Entwicklungen oder Terroranschläge.
Letzteres hatte wohl für die schmerzhafteste Falschmeldung der dpa in jüngster Zeit geführt. Im September letzten Jahres fiel die Agentur auf einen Promotion-Gag eines Filmemachers herein, wonach angeblich eine Gruppe deutscher Rap-Musiker in dem kleinen US-Städtchen Bluewater einen Selbstmordanschlag verübt habe.
Die Häme war groß, als herauskam, dass die dpa auf einen Fake des Filmemachers Jan Henrik Stahlberg hereingefallen war. Wenige Tage darauf verfasste Büchner sechs "Lehren aus Bluewater", die im Wesentlichen in den jetzt veröffentlichten Forderungen noch einmal ausführlicher formuliert sind.
Für Vorabinformationen "deutscher" Medien weicht Büchner die Gültigkeit des Leitfadens allerdings auf. Für solche gelte, "dass die dpa diese Informationen bei entsprechendem Nachrichtenwert aufgreifen kann, auch wenn diese nicht bei der Erstquelle überprüft wurden". 
Niggemeier hält fest, dass dieser Punkt "all die schönen Sicherheitsmechanismen außer Kraft" setzt, sobald irgendein Medium eine vermeintlich exklusive Meldung vorab an dpa schicke. 

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