Focus-Chef Baur kündigt Stellenabbau an

Vier Tage vor dem Focus-Relaunch haben sich Mitarbeiter entschlossen, die Gründung eines Betriebsrats beim Burda-Magazin öffentlich per Blog zu begleiten – und hatten gleich ein Interview des Co-Chefredakteurs Uli Baur im Tagesspiegel zu verarbeiten. "Wir werden um einen Stellenabbau wohl nicht herumkommen", verkündet Baur dort. Peter Hinze von der Liste "Die Initiatoren" antwortet: "So 'klar wurde uns die berufliche Lage und unsere ungewisse Zukunft bisher innerhalb der Redaktion noch nicht gemacht."

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Betriebsinterne Konflikte derart öffentlich auszutragen, wird womöglich eine vorübergehende Erscheinung sein – im Moment aber kann man quasi live verfolgen, was Verlag und Redaktion bewegt. Das Blog der Betriebsratsliste "Die Initiatoren" überschreibt die Pressemeldung zum Interview ihres Chefs in Berlin im besten Boulevardstil : NEWS!!! FOCUS nicht nach Berlin – keine roten Zahlen!
Baur dementiert die Gerüchte zu einem möglichen Umzug des Focus nach Berlin im Tagesspiegel deutlich: "Der Verleger Hubert Burda will das Blatt um sich herum haben, und das bleibt auch so. Herr Weimer wird nach München ziehen." Wolfram Weimer, noch Cicero-Chefredakteur in Berlin, wird in einer Übergangsphase mit Herausgeber Helmut Markwort und Baur die Redaktion zu dritt leiten; eine Konstellation, die Baur jetzt erläutert: Man wolle "Spaß miteinander haben und ein qualitativ hochwertiges Blatt machen". Weimer werde als Entwicklungschef zunächst mehr von Berlin aus arbeiten. Zu möglichen Machtkämpfen sagt der langjährige Marktwort-Adlatus: "Helmut Markwort hat klar gesagt, dass er ein vornehmer Herausgeber sein wird, sich in das Tagesgeschäft und die Entwicklung des Magazins nicht einmischen will." Andererseits werde er "die grundsätzliche Blattlinie vorgeben".
Die Vermutung, der Focus habe unter kräftigen Auflagen- und Anzeigenrückgängen schon Verluste erlitten, weist Baur zurück: "Im Gegensatz zu allen Gerüchten hat der ‚Focus‘ 2009 keine roten Zahlen geschrieben. Wenn wir jetzt noch mehr Qualität in den Focus bringen, werden wir auch die Auflage stabilisieren, und dann wird sie steigen."
Die Aussage zum Stellenabbau steht am Ende des Interviews, bewegt die drei "Initiatoren" aber natürlich am Stärksten. Peter Hinze schreibt: "Nun gibt es kaum noch Zweifel: Es kommen harte Zeiten auf uns zu. Umso wichtiger ist es in dieser Situation, dass wir einen handlungsfähigen, engagierten Betriebsrat haben, der allen KollegenInnen im Falle einer Kündigung beistehen kann."

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