Was die Werberei Arthur Schlovsky vom Vox-Publikum hält (Hinweis: nicht viel)

Die Grenzen zwischen Werbung und Redaktion und Live-Sendungen und ausgezeichnetem Programm verschwischen immer mehr. Jetzt brüstet sich di Werbeagentur Arthur Schlovsky (gehört zu mediaedge:cia), eine Pseudo-Live-Werbung im Umfeld der Vox-Sendung "Promi-Kocharena" platziert zu haben. Die Irreführung der Zuschauer ist dabei wohl kalkuliert. Agentur-Chairman Ralf Zilligen lobt es sogar öffentlich als "richtungweisend", dass die Grenzen zwischen […]

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Die Grenzen zwischen Werbung und Redaktion und Live-Sendungen und ausgezeichnetem Programm verschwischen immer mehr. Jetzt brüstet sich di Werbeagentur Arthur Schlovsky (gehört zu mediaedge:cia), eine Pseudo-Live-Werbung im Umfeld der Vox-Sendung "Promi-Kocharena" platziert zu haben. Die Irreführung der Zuschauer ist dabei wohl kalkuliert. Agentur-Chairman Ralf Zilligen lobt es sogar öffentlich als "richtungweisend", dass die Grenzen zwischen Werbung und Redaktion kaum noch wahrzunehmen sind.
Die Lage an der Content-Front wird zusehends unübersichtlicher. Während Verlage und Medienmanager im Land das hohe Lied der journalistischen Qualitätsinhalte pfeifen, für die sie bald gutes Geld von den Damen und Herren Lesern haben wollen (Paid Content), herrscht in den Untiefen des Tagesgeschäfts eine gewisse Verwirrung, was noch Werbung ist oder noch Redaktion oder umgekehrt. Der Marketingchef von sueddeutsche.de hat gerade ein Advertorial mit unabhängigen Texten verwechselt. Kann als Tageszeitungsmensch ja mal passieren, als Verantwortlicher einer Frauenzeitschrift wäre ihm der Fehler wohl kaum unterlaufen. Und die Werbeagentur Arthur Schlovsky (Eigenwerbung: Our Name. Many Stories) brüstet sich aktuell in einer Pressemitteilung sogar damit, die Grenzen zwischen Redaktion und Werbung ganz bewusst einzureißen. Es geht um Frucht-Joghurt und eine Kochsendung bei Vox.
Die Agentur Arthur Schlovsky gehört zum bekannten Media-Netzwerk mediaedge:cia und hat gerade einen Werbespot für den Frucht-Joghurt von Bauer abdrehen dürfen. Da kamen die Kreativen auf eine ihrer Meinung nach ganz famose Idee. Man filmte den Moderator der "Promi-Kocharena" bei Vox, Florian König, wie er in Studio-Umgebung "im Anschluss" an die Sendung einen Frucht-Joghurt "genießt". Die Werbung soll so daherkommen, als sei die Szene live. Zitat aus der Pressemitteilung: "Dieser Pre-Split erweckt den Eindruck, als ob dies live, sozusagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, geschehe." Damit auch noch der Dümmste merkt, worum es geht, knallt man den normalen Werbesport gleich hintendran. Oder, mit den Worten von Arthur Schlovsky: "Unmittelbar an diese, zwar als Werbung gekennzeichnete, aber redaktionell anmutende Sequenz schließt der klassische Werbespot von Bauer an." Man ist erkennbar stolz darauf, dass die Sequenz "redaktionell anmutet".
Diese Art der Werbung passt zum aktuellen Pseudo-Live-Wahn vieler TV-Sender. Gerne wird so getan als sei irgendetwas live, obwohl es eigentlich aufgezeichnet ist. Was die Joghurt-Werbung von den Schlovskys aber richtig unappetitlich macht ist noch nicht einmal diese Wir-Verkaufen-das-Publikum-Für-Dumm-Und-Sind-Auch-Noch-Stolz-Drauf-Attitüde. Daran hat man sich ja fast schon gewöhnt. So richtig daneben ist die Aussage, mit der Arthur-Schlovsky-Chairman Ralf Zilligen den Einfall noch öffentlich bejubelt: Die enge Zusammenarbeit von Kunde, Agentur und Sender hat dazu geführt, dass die Grenze zwischen Redaktion und Werbung, zwischen Kreation und Media kaum noch wahrzunehmen ist. Für mich eine richtungweisende Arbeit."
Ja. Richtungweisend ist das schon, aber in eine ganz andere Richtung, als Herr Zilligen vermutlich denkt. Die Richtung, in die dieses Werber-Selbstverständnis weist, die führt nach ganz unten.

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