Gefangen in den „Feuchtgebieten“

Charlotte Roche gibt nach nur vier Monaten und fünf Sendungen die Co-Moderation der Talkshow "3 nach 9" wieder ab. Unterschiedliche Auffassungen, heißt es offiziell. Von Zuschauerprotesten wird geraunt. Roches Ausflug in den seriösen Talk war von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Spätestens nach ihrem Bestseller "Feuchtgebiete" ist die ehemalige Viva-Moderatorin auf ihr Image als Sex- und Schmuddelautorin festgelegt. Und aus diesem Image gibt es vorerst kein Entrinnen.

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Sie ist für Medien und Öffentlichkeit nun für alle Zeiten die ironische Sudel-Tante mit der komischen Stimme und den Achselhaaren. Sehr überspitzt gesagt. So lange sie sich innerhalb dieses Images bewegt, kann Roche ihr Publikum bedienen. Eine Art Vorspiel zu ihrem "Feuchtgebiete"-Erfolg war die Lesetour zusammen mit "Stromberg"-Darsteller Christoph Maria Herbst, bei der beide, höchst ironisch natürlich, aus der Doktorarbeit "Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern" rezitierten. Sowas könnte sie heute jederzeit wieder machen, der Applaus ihres Publikums wäre ihr sicher.

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, es habe massive Zuschauer-Beschwerden wegen Roches Moderation bei "3 nach 9" gegeben. Das würde, so es denn stimmt, nicht verwundern. Unter den Leuten, die freitagabends Talkshows im Dritten gucken, vermutet man nicht direkt die ironische Avantgarde. Hier ist gefällige Moderation und nette Plauderei gefragt. Bei "3 nach 9" dürfte den meisten Zuschauerinnen zudem ziemlich egal sein, welche Dame neben dem charmanten Giovanni di Lorenzo hockt, Hauptsache sie fällt nicht auf. Roche ist zwar bei ihren "3 nach 9"-Sendungen nicht ausfällig geworden, hat keinen beschimpft oder aus heiterem Himmel medizinische Namen von Geschlechtsteilen in die Runde gerufen. Auffällig war sie in diesem fein abgezirkelten Biotop des Freitagabend-Talks aber doch. Sie war ein Fremdkörper in der Sendung und hat das auch selbst gespürt. Ihr Unwohlsein war stellenweise fast mit Händen greifbar. Sowas merken auch die Zuschauer.

Ihr Engagement bei "3 nach 9" war also ein doppeltes Missverständnis. Beim Sender Radio Bremen dachte man wohl, mit einer wie ihr ein neues, jüngeres Publikum ansprechen zu können. Und sie dachte vermutlich, ein bisschen wegzukommen, von ihrem Status als Frau "Feuchtgebiete". Aber der Sprung von der Sex-Autorin zur Talkshow-Dame war dann doch ein bisschen ein zu großer. Um die berufliche Zukunft von Charlotte Roche muss man sich keine Sorgen machen. Sie könnte jederzeit "Feuchtgebiete 2" schreiben. Und wieder einen Bestseller landen.

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