Die „Kuss-Falle“ der Agenturchef-Tochter

Boulevardmedien leben von Geschichten über Prominente. Das Geschäft mit deren Liebes- und Leidensgeschichten wird aber immer schwieriger. Auflagen sinken, Verlage sparen und Promis kontrollieren stärker als je zuvor ihr Bild in den Medien. In der zweiten Reihe an der Liebesfront stehen Agenturen, die mit der immer knapperen Ware Exklusivnachrichten dealen und von denen die Leser oft gar nicht wissen, dass sie existieren. Nun wurde die Tochter eines Agenturchefs selbst Gegenstand der Paparazzi-Berichterstattung.

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Die WAZ-Zeitschrift Frau aktuell berichtet in ihrer Ausgabe 3/2010 über Handballstar Silvio Heinevetter und Simone Thomalla. Die Titelstory war Futter für die  deutsche Boulevard- und Promipresse. "Simone Thomalla (44) – Ihr Neuer (25) betrügt sie" stand auf dem Cover. Ein gelber Pfeil zeigte auf das "Exklusiv Foto", darin der Text: "Ihr Handballer küsst eine andere." Eine prima Geschichte, um die Auflage zu pushen. "Tatort"-Kommissarin Simone Thomalla ist ohnehin ein dankbares Objekt der Berichterstattung für die Promi-Presse. Nicht nur spielt sie eine Hauptrolle in der populärsten deutschen Krimiserie, sie trat auch mit ihrem ehemaligen Lebensgefährten, dem Fußball-Manager Rudi Assauer, in Bier-Werbespots auf und hat sich gerade publikumswirksam für den "Playboy" ausgezogen.

Ihr neuer Freund, der Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter, ist zudem fast 20 Jahre jünger als sie und steht zum Auftakt der Handball-Europameisterschaft ebenfalls im Mittelpunkt des Interesses. Sex ("Playboy"), Sport (Handball), Crime ("Tatort"), Eifersucht ("Fremdknutschen") – da macht das Herz des Boulevardjournalisten einen Hüpfer. Das ist der begehrte Exklusiv-Content, den alle wollen, der Auflage und Renommee in die Höhe schnellen lässt und für den mancher vielleicht sogar bereit wäre, die Grenzen des Berufsstandes neu auszuloten.

Was bisher keiner weiß: Die Frau auf dem unscharfen Paparazzi-Foto in Frau aktuell, das Silvio Heinevetter in inniger Umarmung mit einer Unbekannten zeigt, ist die Tochter des Mit-Inhabers einer in Branchenkreisen bekannten Text-Agentur aus Norddeutschland. Bild berichtete einen Tag nach Veröffentlichung der Paparazzi-Abschüsse von einer "Kuss-Falle". Die Studentin sei eine Verflossene des Handballers und habe sich mit den Bildern rächen wollen. Dass der Vater der abgelichteten Dame mit genau solchen Geschichten sein Geld verdient, blieb unerwähnt.

Hat der Agenturchef die Tochter als Lockvogel etwa für einen gestellten Abschuss benutzt? Das wäre eine unglaubliche Story. Der Agenturchef bestreitet denn auch auf Anfrage, dass seine Firma die Heinevetter-Geschichte an Frau aktuell verkauft hat. Auch der Fotograf des Abschusses, Andreas Hauzenberger, bestreitet, dass er den Auftrag von der Agentur bekam. Er kenne den Agenturchef überhaupt nicht, sagte er MEEDIA. Der Auftrag kam laut Hauzenberger von der Redaktion der Frau aktuell. Die dortige Chefredakteurin heißt Anne Hofmann und dürfte den Agenturchef und seine Firma gut kennen. Bevor sie zur WAZ wechselte war sie bei der Bauer Media Group Chefredakteurin des Yellow-Titels das neue und hat bei zahlreichen Geschichten mit der betreffenden Agentur zusammengearbeitet. 

Bei der WAZ will man sich zur Entstehung der Fotos nicht äußern. "Kein Kommentar", sagte WAZ-Sprecher Paul Binder zu MEEDIA. Es bleibt ein Staunen. Was für ein gigantischer Zufall, dass die Dame auf den Exklusiv-Bildern der Frau aktuell ausgerechnet die Tochter eines Verkäufers von Promi-Geschichten an Yellow-Blätter ist, der früher  mit der Chefredakteurin eben jener Zeitschrift zusammengearbeitet hat. Eine Story, bei der es viele, vielleicht zu viele Zufälle gibt. Das Leben schreibt die buntesten Geschichten. Und wenn nicht, dann hilft man eben diskret nach.

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