Anzeige

dpa-Chef Büchner verspricht Modernisierung

Wechsel an der Spitze der dpa: Am Mittwochabend trat Wilm Herlyn ab und Wolfgang Büchner an. Der Neue kündigte multimediale Produkte an, mehr Service für seine Kunden und einen Umzug "auch in unseren Köpfen". FAZ-Herausgeber Werner D'Inka forderte die von Verlagen getragene Agentur auf, sich "der Kehrseite der schönen neuen digitalen Welt" zu widersetzen, in der "journalistische Sicherungsmechanismen außer Kraft gesetzt werden". Büchner gibt sich derweil kämpferisch.

Anzeige

"Die neue dpa will der beste Partner der deutschen Medien im digitalen Zeitalter sein", sagte Wolfgang Büchner (43) am Mittwoch auf einem Empfang zu seinem Amtsantritt in Berlins Mitte. Diese Ansage galt freilich nicht der im Publikum lauschenden Bundeskanzlerin, sondern vielmehr den gut einhundert angereisten Chefredakteuren und Verlegern, vor allem aber: Joachim Widmann und Peter M. Gehrig, Chefredakteure der neuen Agentur-Allianz aus Deutschem Depeschendienst (ddp) und dem AP-Nachfolger, dem Deutschen Auslands-Depeschendienst (DAPD).

Auch die beiden ärgsten Kontrahenten waren geladen, um von Büchner zu erfahren: "Wir werden unsere Dienste Text, Foto, Grafik, Audio und Video auf einer neuen Plattform verknüpfen" und den Kunden so "umfassende multimediale Pakete" bieten. In Kürze werde der Marktführer unter den Agenturen zudem "die erste Nachrichtenagentur mit einem echten Rückkanal sein". Gemeint ist das Kundenintranet dpa News, das im zweiten Quartal starten soll.

Blattmacher, Nachrichtenchefs und Programmverantwortliche könnten sich dann "direkt in den Produktionsprozess der Agentur einschalten, Kommentare zur aktuellen Produktion verfassen, Hinweise geben und Wünsche äußern". Die dpa stehe mit den Redaktionen ihrer Kunden von diesem Zeitpunkt an "in einem ständigen Dialog". Der entstehe nicht mehr nur einmal im Jahr bei Kundenbesuchen oder Chefredakteurs-Konferenzen, sondern "jederzeit, sekundenschnell im journalistischen Tagesgeschäft".

Mit der anstehenden Zusammenlegung der bisher auf Frankfurt, Hamburg und die Bundeshauptstadt verteilten zentralen dpa-Redaktionen auf einem knapp 4.000 Quadratmeter umfassenden ganzen Stockwerk der Berliner Axel-Springer-Zentrale wechselten die Agenturjournalisten "nicht nur unseren Standort – wir werden auch unsere Arbeitsweise modernisieren", sagte Büchner, der von einem Umzug "auch in unseren Köpfen" sprach.

Im Interesse der Kunden werde zwar vieles geändert. "Wir werden aber nicht vergessen, woher wir kommen", so Büchner. Der neue Chefredakteur weiter: "In der digitalen Welt mit immer schnelleren Informationsströmen ist die entscheidende Ressource die Glaubwürdigkeit." Deshalb werde Unabhängigkeit, Überparteilichkeit, Präzision aber auch Schnelligkeit auch das Fundament der neuen dpa sein.

Wilm Herlyn, der mit 65 Jahren den Chefposten bei dpa räumte, nannte Büchner einen "Journalisten, der die Multimedialität schon lebt". Herlyn wird unter anderem im Kuratorium der PR-Hochschule Quadriga sitzen.

Der Chef des dpa-Aufsichtsrates und Leiter der Verlagsgruppe Rhein Main, Karlheinz Röthemeier, sagte, Herlyn habe "dpa unter schwierigen Bedingungen ebenso konsequent wie erfolgreich neu ausgerichtet". Dass Herlyn 19 Jahre lang Chefredakteur der dpa gewesen sei bezeichnete Röthemeier als "Beleg für die hohe Kontinuität der Agentur".

FAZ-Herausgeber Werner D’Inka mahnte zum Stabwechsel, die dpa müsse sich "der Kehrseite der schönen neuen digitalen Welt" widersetzen, in der "journalistische Sicherungsmechanismen außer Kraft gesetzt werden und jeder etwas veröffentlichen kann". Durch Unkenntnis, Bequemlichkeit und Nicht-Nachfragen machten sich auch einzelne Journalisten bisweilen überflüssig. D’Inka: "Hier muss die dpa dagegenhalten, die auch ihre Fehler, die in ihrem Geschäft immer mal wieder auf den Draht kommen können, mit schonungsloser Offenheit korrigiert".

Büchner plant neben dem Start der Kundenplattform dpa News unter anderem, das In- und Auslandsressort zusammenzulegen und ein neues Ressort mit dem Arbeitstitel "Netzwelt" für Internet und Heimelektronik zu schaffen. Mit der neuen Zentralredaktion will er in diesem Bereich aber auch 30 Stellen sparen. Außerdem wird die dpa in Gesprächen mit den Journalisten-Gewerkschaften DJU und DJV versuchen, die Tarifstruktur anzutasten. Diese Initiative geht jedoch nicht von Büchner selbst aus. Auch sind bisher noch keine Gesprächstermine angesetzt. "m Gegensatz zu den Umzugs-Vorbereitungen ist dabei aber auch keine Eile geboten: Der aktuelle Tarifvertrag für die dpa-Redakteure läuft noch bis 2011.

Am Rande der Veranstaltung wurde am Mittwoch zudem bekannt, dass die dpa nun konkrete Schritte gegen die ddp-Eigentümer Martin Vorderwülbecke und Peter Löw prüfen lässt. Die haben dem Marktführer im Dezember nach dem Kauf des deutschen Dienstes der US-Agentur Associated Press auf einer Pressekonferenz "sittenwidrige Verträge" vorgeworfen. Die dpa will das nicht hinnehmen. Vorderwülbecke sagte MEEDIA auf die Frage, ob er zu den Vorwürfen stehe, lediglich: "Was dpa plant (klagen oder nicht oder so) weiß ich nicht, wir kümmern uns um Nachrichten und nicht um dpa."

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige