Der Niedergang der US-Latenight-Shows

Unfreiwillige Ironie: Da hat der US-Fernseh-Riese NBC gleich zwei Talkkönige in seinen Reihen, doch mit beiden geht es beharrlich bergab. Conan O'Brien schafft es nach fünf Jahren in Wartestellung einfach nicht, in die überlebensgroßen Fußstapfen seines Vorgängers Jay Leno zu treten. Dem Talk-Altmeister ergeht es kaum besser: Erst wurde sein neues Format vorgezogen, nun soll er wieder an den alten Sendeplatz zurückkehren – ganz zum Leidwesen von O'Brien, der im Internet schon mit Abschiedsgedanken spielt.

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Unfreiwillige Ironie: Da hat der US-Fernseh-Riese NBC gleich zwei  Talkkönige in seinen Reihen, doch mit beiden geht es beharrlich bergab. Conan O’Brien schafft es nach fünf Jahren in Wartestellung einfach nicht, in die überlebensgroßen Fußstapfen seines Vorgängers Jay Leno zu treten. Dem Talk-Altmeister ergeht es unterdessen kaum besser: Erst wurde sein neues Format vorgezogen, nun soll er wieder an den alten Sendeplatz zurückkehren – ganz zum Leidwesen von O’Brien, der im Internet schon mit Abschiedgedanken spielt. 

Es ist so eine Sache mit der Comedy. Witzig soll sie sein und unterhalten. Dumm nur, wenn die Alleinunterhalter selbst für den größten Gesprächstoff sorgen – und das auch noch auf eigene Kosten. So geschehen in diesen Tagen in einer beispiellosen Demontage zwei der bedeutendsten TV-Stars der USA – die Talkmaster Jay Leno und Conan O’Brien.

Passiert ist dies: Gerade mal rund ein halbes Jahr ist es her, dass die Late Night-Legende Jay Leno nach 17 Jahren mit seiner "Tonight Show" das Feld räumte – nicht ganz freiwillig, wie es in der Branche hieß. Das unmittelbare Erbe trat ein alter Bekannter des US-Fernsehens an: Nur einen Tag später übernahm der ebenfalls beliebte Comedian Conan O’Brien ("Late Night Show") den Talkshow-Klassiker von NBC, der durch Johnny Carson einst zum Kult geworden war.

Es wäre die Gelegenheit für den 59-Jährigen Startalker Leno gewesen, sich triumphal auf dem Höhepunkt seiner Karriere aus dem Showgeschäft zu verabschieden – doch der Workholic wollte nicht. Auch NBC wollte den Erfolgsgarant nicht ganz gehen lassen und bot Leno dafür ein neues Showformat an, das eine Stunde vor der "Tonight Show" ausgestrahlt wurde – die neu kreierte "Jay Leno Show", die im Kern jedoch nichts anderes war als das bisherige Erfolgsformat. Damit war das Setting für das vorprogrammierte Desaster gesetzt.

Das vorläufige Ende der TV-Legende Leno: "Wir sind jetzt ein Sammlerstück"

Vier Monat nach dem Start der "Jay Leno Show" ist auch schon wieder Schluss – NBC hat tatsächlich das Undenkbare getan: Pünktlich zum Start der Olympischen Winterspiele nimmt der US-TV-Riese seine Talk-Ikone zunächst einmal vom Schirm, was Leno gestern Abend in seiner ganz eigenen Art kommentierte. "Wir sind keine Show mehr", erklärte er in seinem Stand-Up: "Wir sind jetzt ein Sammlerstück".

Doch der 13 Jahre jüngere Conan O’Brien ist damit keineswegs der logische Gewinner des internen Wettkampfs. Im Gegenteil: Auch O’Briens Quote sieht miserabel aus – so schlecht, dass NBC nach einem Wochenende der wildesten Spekulationen nun mit Kunstgriffen zu retten versucht, was wohl kaum mehr zu retten ist.

Düpierter O’Brien: Wechsel zu Fox?

Jay Leno soll ab März wieder seinen angestammten Sendeplatz um 23.35 Uhr erhalten und Conan O’Briens "Tonight Show" dafür auf nach Mitternacht zurückgestuft werden. Das kommt nicht nur einer ganz offenkundigen Degradierung gleich, sondern hat auch tatsächlich mit einer "Tonight Show" nicht mehr so viel zu tun, wie der aufgebrachte 46-jährige Leno-Nachfolger heute Abend amerikanischer Zeit in einer flammenden Presseerklärung, die der "New York Times" vorliegt und sich liest wie das Ende der Beziehung mit NBC, deutlich machte.  

"Ich kann nicht an etwas teilnehmen, das ich ehrlicherweise für Selbstzerstörung halte", ließ O’Brien keinen Zweifel an seiner Bereitschaft zu Konsequenzen. Es kochen bereits Gerüchte hoch, dass der New Yorker nun zum Murdoch-Sender Fox wechseln könnte, was O’Brien umgehend, aber doch etwas halbherzig dementierte.

In den Social Networks war O’Briens beherztes Statement das Thema der Stunde – zehntausende User kommentierten die Entwicklung via Twitter und Facebook und ergreifen dabei klar Partei für den angeschlagenen US-Talkmaster.

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