EinsFestival soll Jugendsender werden

Die ARD will künftig verstärkt jüngere Zuschauer ansprechen. Über den Weg dahin gibt es offenbar fundamental unterschiedliche Sichtweisen. So hat der WDR im wesentlichen einen "Focus"-Bericht bestätigt, laut dem es Pläne gibt, den Digitalsender EinsFestival zu einem Kanal für jüngere Zuschauer um- und auszubauen. Noch Ende Dezember 2009 hatte dagegen der amtierende ARD-Chef und SWR-Intendant Peter Boudgoust verkündet, ein "separater Jugendkanal" sei nicht die richtige Lösung.

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Boudgoust plädierte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa dafür, dass die Verjüngung des ARD-Publikums im laufenden Programm erfolgen müsse. Außerdem sprach sich Boudgoust dafür aus, dass die ARD mit ihren Inhalten stärker im Internet, beispielsweise in Sozialen Netzwerken, präsent sein müsse. Einem Jugendkanal erteilte er eine Absage. Der WDR unter Intendantin Monika Piel verfolgt dagegen offenbar eine andere Strategie.

Das digitale Programm EinsFestival soll nach Aussagen der WDR-Sprecherin Gudrun Hindersin weiter entwickelt werden. Bisher hat EinsFestival kein allzu klares Programmschema. Der Sender ist irgendwie für Musik, Dokus, und ARD-Wiederholungen zuständig. Die WDR-Sprecherin erklärte nun, Zielgruppe des Kanals seien "beispielsweise junge Eltern ab 30 Jahre". Damit würde die ARD trotz vorheriger Dementis dem Beispiel des ZDF folgen. Die Mainzer haben vor kurzem ihren Dokukanal zu ZDFneo umgebaut, ein Sender, der sich explizit an junge Erwachsende und Eltern richtet und in ureigenem Privatsender-Terrain wildert.

Bei ZDFneo finden neben Dokumentationen auch Comedy-Serien und Musikshows ihren Platz. Privatsender-Vertreter hatten dem ZDF vorgeworfen, mit ZDFneo ein gebührenfinanziertes Konkurrenzprodukt zu den werbefinanzierten Kanälen zu schaffen. Die Kritik dürfte erneut aufflammen, wenn die ARD tatsächlich EinsFestival nach ZDFneo-Vorbild umbaut. Der "Focus" berichtete von einem Finanzbedarf von rund 30 Mio. Euro, was vom WDR umgehend dementiert wurde. In Zeiten der Wirtschafts- und Medienkrise kommt es nicht gut an, millionenteure neue Projekt zu verkünden. Trotzdem scheint klar, dass die Zeichen bei den öffentlich finanzierten Sendern auf Expansion stehen, egal ob es um eine iPhone-App für die "Tagesschau" oder gebührenfinanzierte Jugendsender geht.

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