Die „Focus“-Krise spitzt sich zu

Die "Süddeutsche Zeitung" analysiert in einem langen Stück das Verhältnis zwischen "Focus"-Gründer Helmut Markwort und Verleger Hubert Burda. Die Freundschaft der beiden Medienmacher leide darunter, dass Markwort von seinem "Focus" nicht lassen könne, so das Resümee. Sogar der Herausgeberposten für den Ersten Journalisten des Hauses sei gefährdet, schreibt die "SZ". Unterdessen gebe es Planspiele, die "Focus"-Redaktion nach Berlin zu verlegen.

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Laut "SZ" habe der designierte neue Chefredakteur Wolfram Weimer vor, aus dem "Focus" ein Debattenmagazin zu machen. Ein solches Magazin würde sicher besser in die Hauptstadt passen als nach München, zumal Weimer seinen Lebensmittelpunkt in Berlin und Potsdam hat. Entschieden ist hier aber wohl noch nichts. Stattdessen zieht Helmut Markwort mit einer gehörigen Portion Sturheit noch kurz vor der Stab-Übergabe seinen eigenen Relaunch durch. Der erste von ihm neu gestaltete "Focus" soll am 25. Januar erscheinen.

Einiges ist bereits durchgesickert. So soll es großzügige Fotostrecken geben, denen sich lange Texte anschließen. Das frühere Klein-Klein der Info-Boxen soll weitgehend zurückgedrängt werden. Zwei neue Ressorts heißen wohl Gesundheit und Gesellschaft, das Ressort Modernes Leben wird aufgelöst. Am Ende des Heftes soll es eine Rubrik mit Personalien der Woche geben. "Der Spiegel" lässt grüßen. Man kann sich denken, dass der künftige Chefredakteur Weimer eigene Ideen hat, die womöglich über das Einführen von Bildstrecken und einzelnen Rubriken hinausgehen. Die "SZ" schreibt von einem Marketing-Budget von rund 20 Millionen Euro, das für die Zeit nach Markwort bereitstehe. Für den Relaunch des alten Chefs, will man in München nicht mehr trommeln. Dass Helmut Markwort vor seinem Abtritt das Blatt schnell noch selbst neu gestaltet, wird verlagsintern wie extern als Affront gegen den Neuen gewertet. Es fällt auch schwer, dies anders zu sehen.

Sogar Markworts Position als "Focus"-Herausgeber sei gefährdet, sollte der Ärger um die Neugestaltung und den Chef-Wechsel nicht bald vergehen. Doch danach sieht es nicht aus. Markwort ließ in gewohnt stoischer Manier ausrichten, dass er "planmäßig" zum 1. Oktober aus der Chefredaktion ausscheide. Wenn spätestens im Juni Wolfram Weimer antritt, hätte der "Focus" zeitweise drei Chefredakteure. Es gibt ja auch noch Markworts Co-Chef Uli Baur. Ein unmöglicher Zustand. Aber Helmut Markwort hat schon in der Vergangenheit bewiesen, dass er auch unvernünftig dickköpfig sein kann. Als ihm sein "Focus Money"-Chefredakteur Kai Stepp von Gruners "Capital" abspenstig gemacht wurde, beharrte Markwort gegen die üblichen Branchen-Gepflogenheiten auf Vertrags-Einhaltung und hielt Stepp monatelang in München fest. Bei G+J wurde geschäumt. Man musste die Zähne zusammenbeißen und viel länger als geplant mit einer Übergangslösung bei "Capital" zurechtkommen.

Der Ärger mit dem "Focus" ist also noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil, die wahre Nagelprobe steht erst noch bevor, wenn der neue Chef vor der Tür steht, der alte sein Büro aber noch nicht räumen will. Ob Helmut Markwort bewusst ist, dass er seinem Heft und damit seinem Lebenswerk derzeit eher schadet als nützt? Es sieht nicht danach aus.

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