Zuckerberg und das Ende der Privatsphäre

Viel Aufregung im Web über ein Interview mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Im Gespräch mit TechCrunch-Blogger Michael Arrington äußerte sich Zuckerberg auch zu Fragen des Datenschutzes und der Privatsphäre. Der Facebook-Chef sagte, dass sich der Umgang der Menschen mit ihren Daten stark verändert habe. Die Menschen fühlten sich heutzutage wohl, wenn sie persönliche Informationen mit vielen Menschen teilen. Die sozialen Normen hätten sich in dieser Beziehung verändert.

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Das Weblog "ReadWriteWeb" textete daraufhin: "Facebook’s Zuckerberg says the age of Privacy is over." Es folgte ein Sturm der Entrüstung. Zwar hatte Zuckerberg das "Ende der Privatsphäre" nicht wortwörtlich ausgerufen, seine Aussagen zielten aber schon in diese Richtung. Vor allem via Twitter wurde das zugespitzte Zitat in rasender Geschwindigkeit verbreitet. Kein Wunder: Die Aussage "Das Zeitalter der Privatsphäre ist vorbei" klingt griffig und passt zur Diskussion um die veränderten Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook.

Das weltgrößte soziale Netzwerk hat kürzlich die Einstellungen zur Privatsphäre verändert. Dabei wurden zahlreiche Nutzer-Informationen, u.a. auch die sogenannten Status-Updates öffentlich lesbar gemacht. Mit einigen Handgriffen in den Privatsphäre-Einstellungen können diese Informationen zwar wieder verborgen werden, Facebook musste für den Schritt aber trotzdem herbe Kritik einstecken. Fairerweise muss man aber auch erwähnen, dass Facebook-Nutzer explizit auf die veränderten Einstellungen hingewiesen und dazu aufgerufen hatte, die Privatsphäre-Einstellungen anzupassen.

Im Interview mit "TechCrunch"-Blogger Arrington rechtfertigte Zuckerberg die veränderten Einstellmöglichkeiten zur Privatsphäre. "Als ich in meinem Zimmer in Harvard mit Facebook begann fragten viele, warum jemand überhaupt Informationen über sich ins Internet stellen würde. Warum sollte jemand eine Website haben?" Diese Einstellung habe sich in den vergangenen fünf bis sechs Jahren jedoch verändert, so Zuckerberg. Das Teilen und veröffentlichen auch von privaten Informationen in Weblogs und sozialen Netzwerken sei für Menschen normal geworden. Die sozialen Normen hätten sich weiterentwickelt und Facebook passe seine Regeln nun diesen veränderten Normen an.

Zuckerberg wörtlich: "Wir sehen es als unsere Rolle, uns ständig zu erneuern und unser System ständig zu aktualisieren, um die aktuellen sozialen Normen zu reflektieren." Es sei Bestandteil der Unternehmenskultur bei Facebook, sich permanent zu fragen, "was würden wir tun, wenn wir das Unternehmen heute starten würden? Wir haben entschieden, dass dies die nun gültigen sozialen Normen sind und haben das dann einfach umgesetzt".

Das Blog "ReadWriteWeb" bezeichnet diese Argumentation von Zuckerberg als unglaubwürdig. Facebook würde nicht nur den gesellschaftlichen Wandel in Bezug auf Privatsphäre abbilden, sondern diesen Wandel selbst auch aktiv mit betreiben. Letztlich gilt, was bisher schon galt und auch in Zukunft gelten wird: Wer online mit seinen Daten unterwegs ist, sollte sich bewusst machen, dass alles, was man im Netz veröffentlicht, potenziell öffentlich ist.

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