AOL gibt Standort Deutschland auf

Nach jahrelangen Experimenten und hohen Investitionen ist AOL in Deutschland mit dem Latein am Ende: Der Internetkonzern schließt die Büros in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München. 140 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz, so ein Sprecher zu MEEDIA. Lediglich die Dienstleistungssparte AdTech ist davon nicht betroffen und soll weiter ausgebaut werden. Mit AOL verabschiedet sich einer der Top 5 AGOF-Player vom deutschen Markt. Das Aus nach 15 Jahren ist Teil eines weltweiten Sparprogramms.

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Noch im Laufe des Tages soll eine offizielle Mitteilung des Unternehmens herausgegeben werden. Darin heißt es auch, dass am Mittwoch in den USA mehr als 500 Mitarbeiter entlassen werden. Zudem werden die Büros in Dallas und Seattle geschlossen. Wie sich die Umstrukturierung auf die Geschäfte außerhalb den USA auswirkt, variiert von Land zu Land und unterliegt den lokalen Gesetzen. In Europa hat ist AOL in elf Ländern vertreten. Auch in Spanien und Schweden werden Büros geschlossen, Gespräche mit den Betriebsräten laufen bereits. Der strategisch wichtige Standort England soll erhalten, aber auf der Kostenseite reduziert werden.

AOL befindet sich seit April in einem Prozess, eine neue Unternehmensstrategie umzusetzen. Nach Änderung der Strukturen erfolgt nun das Kostenmanagement. 
Allein die Umstrukturierungskosten sollen bei 200 Millionen US-Dollar liegen. Im Dezember hatte der Konzern ein sogenanntes „Voluntary Seperation Program“ in bestimmten Regionen angeboten. 1100 Mitarbeiter meldeten sich freiwillig zu Gesprächen über die Aufhebung ihrer Verträge.
AOL-Deutschlandsprecher Thomas Knorpp: "Derzeit wird mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan verhandelt." Das Online-Portal AOL.de bleibe aber als "Light-Version" erhalten. Zudem sollen die Mail-Accounts weiter nutzbar bleiben. Seit längerem kursierende Gerüchte über den Verkauf des AOL Messenger konnte Knorpp gegenüber MEEDIA nicht bestätigen.
In eineinhalb Jahrzehnten hat der Konzern unter wechselnder Führung in Deutschland nie ein funktionierendes Geschäftsmodell etablieren können. Der Versuch, mit Kino- und Musik-Content aus dem eigenen Hause (Time Warner) User an AOL zu binden, scheiterte auf ganzer Linie.
Im Dezember letzten Jahres erfolgte die endgültige Abspaltung des Internetunternehmens von TimeWarner. Neun Jahre nach der Fusion mit dem Medien-Multi wurde AOL am 10. Dezember wieder eigenständig an der amerikanischen Börse NYSE gehandelt. Der einstige Internet-Pionier ist nur ein Bruchteil seiner früheren Marktkapitalisierung wert. In seinen Hochzeiten wurde AOL mit 240 Milliarden Dollar bewertet – heute sind es keine 2,5 Milliarden mehr.

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