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Nexus One: Wird Google das neue Microsoft?

2010 beginnt mit einem Paukenschlag: Das Google-Phone wurde nur wenige Wochen nach den ersten Gerüchten tatsächlich der Öffentlichkeit vorgestellt. Schon nach wenigen Minuten der dürftigen Präsentation in der Google-Firmenzentrale in Mountain View war klar: Das Nexus One ist nicht der iPhone-Killer, als der das Google-Phone schon stilisiert wurde – dazu taugen das Pricing und der Vertriebspartner T-Mobile kaum. Dennoch muss sich Apple von nun an auf härtere Konkurrenz einstellen.

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2010 beginnt mit einem Paukenschlag: Das Google-Phone wurde nur wenige Wochen nach den ersten Gerüchten tatsächlich der Öffentlichkeit vorgestellt. Schon nach wenigen Minuten der dürftigen Präsentation in der Google-Firmenzentrale in Mountain View war klar: Das Nexus One ist nicht der iPhone-Killer, als der das Google-Phone schon stilisiert wurde – dazu taugen das Pricing und der Vertriebspartner T-Mobile kaum. Dennoch muss sich Apple von nun an auf härtere Konkurrenz einstellen.

 
Immer wenn ein vermeintlich wichtiges Event in der Zeitgeschichte bevorsteht, rüsten Alpha-Journalisten nur allzu gern mit Superlativen auf. Das war auch gestern nicht anders, als Google um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz tatsächlich das erste eigene Smartphone der Unternehmensgeschichte präsentierte – das Nexus One.

"Gestern hat Google noch keine Mobiltelefone verkauft. Heute schon", hebt TechCruch-Gründer Michael Arrington die Bedeutung des Presse-Events sofort hervor. Branchenkonkurrent "Alley Insider" setzt einen drauf: "Die Technologiewelt hat sich verändert." Und auch bei Spiegel Online heißt es gleich im ersten Satz:  "Der Bann ist gebrochen, die Wahrheit ist raus."

Nexus gefällt mit ein paar technischen Extras

Die Wahrheit ist tatsächlich weit weniger spektakulär: Nach den klassischen Handyherstellern Motorola oder HTC hat nun auch Google sein eigenes Smartphone vorgestellt, das auf seinem mobilen Betriebssystem Android basiert. Die Motivation scheint klar: Der mit knapp 200 Milliarden Dollar bei weitem wertvollste Internetkonzern dürfte nach einem Jahr einfach nicht zufrieden genug mit den bisherigen Modellen gewesen sein – und hat sich deshalb selbst in die Hardware-Produktion eingeschaltet.

"Der wahre Grund fürs Nexus One besteht darin, das Potenzial von Android-fähigen Telefonen zu demonstrieren", erklären etwa die Analysten der australischen Großbank Macquarie.  

Mutige Nexus-Apologeten: "Ja. Das Nexus One ist ein iPhone-Killer"

Das Resultat ist auf den ersten Blick ein durchaus ansehnliches. "Es ist das schnellste und eleganteste Smartphone unserer Tage", findet etwa Michael Arrington, der sich bekanntlich im vergangenen Jahr von seinem iPhone getrennt hat. Auch der deutsche Alpha-Blogger Sascha Lobo wittert die Wachablösung: "Ja. Das Nexus One ist ein iPhone-Killer."

Bis dahin dürfte es jedoch noch ein weiter Weg sein – ein sehr weiter. "Das GooglePhone ist nicht revolutionär", fällt etwa "New York Times"-Tech-Guru David Pogue ein klares Urteil. Tatsächlich ist das Nexus One durchaus ein ausgereiftes Smartphone, das seine Käufer finden, aber das iPhone nicht gefährden wird – zumindest nicht in dieser ersten Version.

Warum nicht? Weil das Nexus One, obwohl es mit 1GHz Prozessor von Qualcomm, 5 Megapixel-Kamera, Geräuschunterdrückung und einer ausgefeilten Spracherkennungsfunktion ausgestattet, eben nicht das iPhone ist. Technische Finessen, mit denen das Nexus dem Apple-Smartphone sogar in einigen Disziplinen leicht voraus sein mag, reichen nicht aus, um einen mythisch verehrten Platzhirsch so einfach vom Thron zu stoßen.

Das iPhone ist nicht weniger als Kult – die wichtigste technologische Errungenschaft der vergangenen Dekade, wie der SPIEGEL das Apple-Handy vergangene Woche noch einmal würdigte: "Noch in hundert Jahren wird es die nuller Jahre dieses Millenniums als die Essenz der Epoche repräsentieren."
 
iPhone-Konkurrenz weitaus größer als vor einem Jahr

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Solche Trends brechen nicht von heute auf morgen ab, zumal Apple im Juni mit dem nächsten iPhone den nächsten großen Wurf landen dürfte. Der allerdings muss auch sitzen, denn die Konkurrenz, angeführt von dem Nexus und Android-fähigen Modellen bei Motorola & Co, dem immer noch amtierenden Marktführer Blackberry und kleineren Herausforderern wie dem Palm Pre, hat sich binnen eines Jahres erstaunlich schnell formiert.  

Während das iPhone in Design, Benutzerführung und Kultstatus auf Jahre unerreicht bleiben dürfte, bleibt doch die Frage, ob die wendigeren und günstigeren Me-too-Produkte rund um den Globus auf Dauer nicht doch Wirkung in Cupertino zeigen.

Wird Google das neue Microsoft?

Die eigentliche Herausforderung für Apple liegt dann auch nicht so sehr in der Produktweiterentwicklung, sondern in der Grundsatzfrage des Unternehmens – nämlich, ob Apple seine All-in-one-Firmenphilosophie, die Hard- und Software in einem Produkt vereint, im enorm schnelllebigen Mobilfunkmarkt weiter durchsetzen will und kann.

Google stellt sein Herzstück, das mobile Betriebssystem Android, der Mobilfunkbranche anstandslos bereit und könnte damit langfristig in eine ähnliche Rolle hineinwachsen wie Microsoft mit Windows in der PC-Welt der 80er Jahre, die Apple auch zunächst mit besseren Produkten dominierte. 

"Wir haben den Film schon mal gesehen", erinnert der frühere Merrill Lynch Internet-Staranalyst Henry Blodget an Apples tragischen Fall in den 80er Jahren. "Und bis jetzt sieht es nicht danach aus, als wolle Apple sich von seiner Von-Anfang-bis-zum-Ende-Produkt-Kontrolle trennen. Nimmt es wieder ein böses Ende?"

Die eigentliche Revolution ist der Vertriebskanal – Provider als Verlierer

Davon kann bislang keine Rede sein. Apple kann mit seinen Premiumprodukten eine lange Zeit hervorragend verdienen, selbst wenn das Unternehmen nicht Marktführer in seinem Segment ist, wie die hoch profitable Mac-Sparte beweist.

Die eigentliche Zeitenwende steht mit dem gestrigen Tag den Mobilfunkprovidern bevor – denn bald können Kunden wirklich wählen, ob und bei welchem Anbieter sie ihr Nexus erwerben wollen. 180 Dollar kostet das Nexus mit T-Mobile Vertrag – 530 Dollar ohne, Verizon und Vodafone stehen im Frühling als nächste Anbieter in den Startlöchern. In ein paar Jahren, wenn die Marktpreise weiter zerbröselt sind, wird sich der Kunde erst das Handy aussuchen und erst dann, je nach maßgeschneiderten Tarifmantel, den Provider.

Apple und Google könnten auf diesem Weg trotz der immer größeren Konkurrenzsituation durchaus als gemeinsame Gewinner hervorgehen, während die Welt der T-Mobiles und Vodafones plötzlich aussieht wie aus dem anderen Jahrhundert, aus dem sie kommen.     

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