Google-Phone: Der „Wow-Effekt“ bleibt aus

Ein leiser Stich der Enttäuschung klingt auch in wohlwollenden Berichten aus Mountain View an: Das Nexus One, Googles Einstieg in Produktion und Vertrieb von Hardware, gilt nach erster offizieller Begutachtung als solides, aber nicht allzu aufregendes Smartphone. "Dass Google damit das Handy neu erfunden hätte, wäre weit übertrieben", notiert Spiegel Online. Der Versuch, mit "Superphone" einen neuen Gattungsbegriff zu etablieren, wirkt im Konkurrenzkampf mit Apples iPhone sogar eher kläglich.

Anzeige

Der vom Rivalen aus Cupertino gewohnte Glamour-Faktor stellte sich ohnehin nicht ein, als Googles "Android"-Manager Mario Queiroz die Details vortrug. 2007 hatte Apple ebenfalls die Tage vor der Multimedia-Messe CES genutzt, um mit dem iPhone allen die Show zu stehlen. 
Das enorme Interesse am "Nexus One" hängt auch weniger am Gerät selbst, als an seinem Verkäufer. Die technischen Details waren, trotz Googles befremdlicher Leugnungs-Taktik der vergangenen Wochen, schon länger bekannt: Das Smartphone arbeitet mit Android 2.1, der neuen Version von Googles eigenem, offenen Betriebssystem, besitzt einen AMOLED-Touchscreen, einen 1-GHz-Prozessor und eine 5-Megapixel-Kamera. Auf der Bildschirmdiagonale von 3,7 Zoll sind 720 x 480 Pixel zu sehen,  die Maße lauten 119 x 59,8 x 11,5 mm bei 130 Gramm Gewicht. Der 1 GHz schnelle "Snapdragon"-Prozessor von Qualcomm gilt als einer der Schnellsten derzeit.
Die Besonderheiten spielen eher auf Software-Ebene: Es gibt eine Sprachsteuerung (dafür keine Tastatur), eine Geräuschunterdrückung beim Telefonieren und natürlich eine Voraus-Verknüpfung mit Googles mobiler Online-Welt, von GMail über "Maps"-Navigation bis zu Google Earth. Die Internetverbindung wird über alle Mobilfunkstandards oder wahlweise WLAN-n hergestellt. Dennoch, den meisten Berichten ist anzumerken, dass man mehr erwartet hätte.
Eine weitere leise Enttäuschung ist der Preis des von Google selbst über das Web vertriebenen "Nexus One": Ohne Vertrag kostet es 530 Dollar, mit Vertrag (zunächst T-Mobile, später Verizon) sind es 180 Dollar. In England, das auch schon beliefert wird, soll Vodafone die subventionierte Variante vertreiben, ab Frühjahr wohl auch in Deutschland. Die Preise entsprechen etwa den Erwartungen: Google selbst will das Gerät offenbar nicht subventionieren, obwohl die für die Zukunft kalkulierten zusätzlichen Werbeeinnahmen sicher gewaltig sind. Queiroz erwähnte, dass Besitzer von Android-Handys die Google-Suche 30-mal öfter nutzen als Freunde anderer Smartphones.

Zu den Fans des "Nexus One" zählt "Techcrunch"-Chef Michael Arrington:  "It’s the fastest and most elegant smartphone on the market today, solidly beating the iPhone in most ways." Enttäuschend findet es dagegen FAZ-Blogger Holger Schmidt: "Der ‚Wow-Effekt‘ ist ausgeblieben."

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige