Klambt: Aus „Look“ wird „Grazia“

Bis zu 20 Millionen Euro will der Klambt-Verlag in die Hand nehmen, um eine neue Frauen-Zeitschrift auf dem eigentlich übersatten Markt zu etablieren. Das Dickschiff der Baden-Badener wird allerdings unter anderer Flagge segeln als bisher bekannt. Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, wird das Heft am 11. Februar unter dem Titel "Grazia" erscheinen und damit ein Lizenzprodukt sein. Bisher sollte die Zeitschrift "Look" heißen und eine Eigenentwicklung des Hauses sein, das u.a. "in" und "OK!" herausbringt.

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Auf einer Roadshow hatten Verleger Lars Rose und Entwicklungs-Chefredakteur Klaus Dahm in den vergangenen beiden Monaten das Heftkonzept vorgestellt und sich bezüglich der Marktchancen optimistisch geäußert. "Look" verstehe sich als Fashion-orientiertes Weekly mit hohem Celebrity-Faktor, das aber auch Reportagen mit Tiefgang im Repertoire haben soll. Der professionell gemachte Dummy überzeugte bei den Präsentationen mit Themenmix und Nutzwert, etwa im Shoppingbereich. Wie Rose damals betonte, hätte der Titel "Look" bei der Marktforschung "sensationell performed".
Warum dann jetzt der Namens- und damit Strategiewechsel? Schließlich wird Klambt nun statt einem Eigengewächs einen Lizenztitel launchen. "Grazia" ist eine seit 1938 in Italien erscheinenden Frauenzeitschrift, die dort von Mondadori herausgebracht wird, einem Verlag, den inzwischen Silvio Berlusconi kontrolliert (seine Tochter sitzt im Management) und an dem auch Gruner + Jahr Anteile hält. Die Auflage des Blattes liegt bei rund 210.000 Exemplaren, das Magazin gilt als profitabel und als eine verlegerische Erfolgsgeschichte mit einem Dutzend Lizenzausgaben.
Von diesem Verbund dürfte Klambt nun profitieren und im Gegenzug eine beträchtliche Lizenzgebühr nach Italien überweisen. Ein solches Konstrukt hat sich beim Peoplemagazin "OK!" bewährt. Allerdings sind die verschiedenen "Grazia"-Länderausgaben nicht wie beim Heft des englischen Konzerns Northern & Shell auf Einheitlichkeit getrimmt: So orientiert sich die italienische "Grazia" eher an der "Vanity Fair", die englische Ausgabe kommt dagegen erheblich volksnäher daher. Der Launch jüngst in Frankreich verlief zudem eher rumpelig. Was zeigt, dass weitere Neustarts mit Risiken verbunden sind: Ein Selbstgänger oder eine Lizenz zum Gelddrucken ist die Marke "Grazia" auf dem deutschen Markt gewiss nicht.
Längere Zeit hieß es, dass mehrere Verlage um die Deutschlandrechte an der Schönen pokerten. Möglicherweise ist der späte Zuschlag für Klambt damit zu erklären: Der Verlag könnte den Italienern durch die aufmerksamkeitsstarken Roadshows signalisiert haben, dass man ein solches Magazin auch im Alleingang wuppen könnte. Der Namenswechsel ist auch nach MEEDIA-Recherchen amtlich, der von G+J erworbene Titel "Look" (ehemals ein Beiboot der "Frau im Spiegel") verschwindet in der Entwicklungsschublade. Man darf gespannt sein, in welchem Outfit "Grazia" am 11. Februar an die Kioske kommen wird.

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