ARD will digitaler und jünger werden

Der ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant hat in einem Interview mit der Deutschen Presse Agentur die Marschrichtung für die kommenden Jahre vorgegeben. Die ARD müsse sich verstärkt auch an junge Menschen richten. Dies geschehe weniger über Radio und Fernsehen, sondern verstärkt über Laptops und Handys, so Boudgoust. Die Kritik von Verlagen und Politikern an der geplanten iPhone-App der "Tagesschau" wies er zurück. Der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung sei völlig unverständlich.

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Bereits seit Jahren seien Inhalte von Tagesschau.de auf Handys und Smartphones mobil verfügbar, so Boudgoust in dem dpa-Gespräch. Warum dies mit einer "simplen Software" für das iPhone nun nicht möglich sein soll, "verstehe wer will". Der ARD-Vorsitzende verwies darauf, dass die Regeln des Runfunkstaatsvertrages eingehalten würden. Boudgoust reagierte damit auf harsche Kritik vor allem vom Springer-Verlag, in dessen "Bild"-Zeitung aktuell die Pläne für eine kostenlose "Tagesschau"-App angeprangert werden. Vor kurzem hat Springer eigene, kostenpflichtige iPhone-Apps gestartet und sieht sich nun von der gebührenfinanzierten ARD ausgebootet.

Boudgoust weist die Kritik zurück und kündigt stattdessen an, dass die öffentlichen Sender künftig auch stärker in Sozialen Netzwerken aktiv sein wollen. Boudgoust: "Eine Lektion haben wir gelernt: Wir müssen die Leute da erreichen, wo sie zu Hause sind, und das ist bei den Jüngeren das Netz." Von "Jugendinseln" im Programm oder gar einem eigenen Sender für die junge Zielgruppe, wie es das ZDF mit ZDFneo probiert, hält er dagegen nichts. "Wir streben eine behutsame Verjüngung im Fernsehen an, ohne unser Stammpublikum zu verprellen", so Boudgoust gegenüber der dpa.

Der ARD-Chef äußerte sich auch zum Fall Nikolaus Brender beim ZDF. Dort wurde der Vertrag des ZDF-Chefredakteurs Brender auf Betreiben von CDU/CSU-Politikern im Verwaltungsrat des Senders nicht verlängert. "Der Fall Brender ist ein böser Betriebsunfall. Ich hoffe, dass er sich nicht wiederholen wird", so Boudgoust. Er gehe davon aus, dass der Fall Brender einmalig bleibe. Unabhängigkeit müsse ein Markenzeichen der öffentlich-rechtlichen Sender bleiben.

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