Schlingensief bekritzelt das „Zeit“-Feuilleton

Weihnachtsgrüße aus Hamburg: Der Künstler Christoph Schlingensief hat einmalig das Feuilleton der morgen erscheinenden Ausgabe der "Zeit" gestaltet. Im Mittelpunkt steht das westafrikanische Land Burkina Faso und wie dort, in einem der ärmsten Staaten der Welt, das Fest der Liebe gefeiert wird. Für das multimedial aufgepeppte Feuilleton konnte der Künstler namhafte Autoren gewinnen, wie den Schriftsteller Henning Mankell, Bundespräsident Horst Köhler und den Hollywood-Regisseur Roland Emmerich.

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Die Gestaltung des Feuilletons ist mehr als nur ein künstlerisch gestaltetes Buch in der "Zeit". Es ist eine einmalige Spendenaktion, die den Bau eines Operndorfes in Burkina Faso unterstützen soll. Schlingensief begleitete die Entstehung des Opernhauses mit einem Aufnahmegerät. Einige Artikel sind mit 0900-Nummern versehen. Leser, die unter diesen Nummern anrufen, hören Schlingensiefs Kommentare zu Afrika, zu den Artikeln in der "Zeit" und außerdem Geräusche aus Burkina Faso. Der Anruf kostet 99 Cent pro Minute, das Geld geht auf das Spendenkonto des Operndorfes.

In dem monothematischen Buch hat der Künstler seine typischen Spuren hinterlassen. Mit Fine-Liner hat der Künstler in Überschriften, Bildern und Texten herumgekritzelt. Die Seiten wirken chaotisch, ebenso wie die Haarfrisur des 49-Jährigen. Die Artikel sind allerdings überaus lesenswert. So veröffentlich etwa der schwedische Schriftsteller Henning Mankell erstmals eine fiktive afrikanische Weihnachtsgeschichte. Mankell leitet in Maputo, Mosambik, sein eigenes Theater.

Auch Horst Köhler hat Interessantes zu erzählen. So schreibt der Bundespräsident über die Cashewnuss, eines der wertvollsten Exportgüter der Region. In den Artikel eingebettet ist ein Infokasten mit einem Rezept für ein regionales Weihnachtsessen: Verratener Hahn.

Bei der Bebilderung hat Schlingensief auf die Hilfe von Profis verzichtet. Die Fotos wurden mit Einwegkameras von rund dreißig zehnjährigen Kindern aus Burkina Faso aufgenommen. Durch die Kritzeleien Schlingensiefs fällt dies aber nicht weiter auf.

Das ganze Feuilleton ist als "Gründungsurkunde" für das Operndorf-Projekt Schlingensiefs zu verstehen. Der an Krebs erkrankte Film- und Theaterregisseur muss für sein Projekt mit dem Namen Remdoogo insgesamt 1,4 Millionen Euro sammeln. Über die Hälfte hat Schlingensief hauptsächlich durch Spenden bereits erhalten. Im Januar 2010 ist Grundsteinlegung.

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