Redaktion der Netzeitung streikt

Neuer Ärger für DuMont in Berlin: Seit Montag befindet sich die Redaktion der Netzeitung im Ausstand. Die letzte Geschichte "Verheugen: Gefälschte Pillen überschwemmen EU" ging um 10.03 Uhr online. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Portal nicht mehr aktualisiert. Aufmacher sind seither die Leser-Proteste zur Umstellung der Netzeitung. Headline: "Eine absolut unverständliche Entscheidung". Mit ihrem Streik wollen die 17 verbliebenen Redakteure und Techniker die Geschäftsführung zu Verhandlungen zwingen.

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Mitte November hatte DuMont angekündigt die Internet-Zeitung zu einen automatisierten Nachrichtenportal umzubauen. Letzter Arbeitstag der alten Netzeitung wäre demnach der 31. Dezember 2009. Die Nachrichten-Site gehört zu den Objekten, die das Medienhaus im Zuge der Übernahme des Berliner Verlages mitkaufte.
Dem Streik ging eine Aufforderung der Gewerkschaften an den Geschäftsführer Robert Rischke voraus, über einen Sozial-Tarifvertrag zu verhandeln. Diesen Wunsch von Ver.di und DJV lehnte Rischke ab. Jetzt hoffen die Mitarbeiter, dass der Manager doch noch einlenkt.

Doch der Druck auf den Geschäftsführer steigt offenbar. Denn neben der Netzeitung beliefert die Redaktion auch noch externe Kunden mit Nachrichten. Auch diese bekommen keine Meldungen mehr aus der Berliner Redaktion geliefert.
Die Chefredakteurin Domenika Ahlrichs kann in den Streik ihrer Redaktionen nicht eingreifen. Nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen, soll sie die gesamte Woche krankgeschrieben sein.

Die betroffenen Mitarbeiter werfen nun der Verlagsführung vor, damals die Netzeitung ohne Konzept übernommen zu haben und auch in den folgenden Monaten kein Interesse daran gehabt zu haben, eine Lösung für das Portal zu entwickeln. Gegenüber dem Blog BasicThinking sagte ein Verlagssprecher: "Das Geschäftsmodell der Netzeitung hat nicht funktioniert, im Prinzip wurde die Netzeitung jahrelang querfinanziert. Zudem hat die Wirtschaftskrise zu einem starken Einbruch der Erlöse in der gesamten Verlagsbranche geführt."

Zuvor äußerte sich in dem Blog bereits der Netzeitungs-Betriebsrat Matthias Breitinger. Er findet es "besonders krass", wie man mit Betroffenen umgehe: "Kein Wort des Dankes und des Respekts gegenüber der jahrelangen Leistung der Beschäftigten in der offiziellen Pressemitteilung. Hinzu kommt, dass man jedem kündigen will – man versucht selbst Schwangere loszuwerden, und man hält sich auch nicht an die Kündigungsfristen." Weiter sagt er: "Eigentlich überraschend, wenn man bedenkt, dass sich DuMont gern ein soziales Mäntelchen umhängt."

Seit Jahren bewegt sich die Netzeitung auf einem weitgehend gleich bleibenden Traffic-Niveau. Es gelang der News-Site nie, für ein signifikantes Wachstum zu sorgen. Die Netzeitung war von Anfang an Teil des deutschen Internets – allerdings ohne besonders Aufzufallen. Bezeichnend, dass nun auch der Streik erst am dritten Tag wahrgenommen wird.

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