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Aktionskünstler veräppelt dpa

Es hat mittlerweile eine gewisse Tradition, dass die Deutsche Presseagentur auf gefälschte Nachrichten reinzufallen scheint. Neuester Fall ist eine Fake-Pressemitteilung der Stiftung Flucht, Verteibung, Versöhnung, aus der die Agentur eine Meldung machte. Die PM verbreitete die Information, dass der Stiftungsrat um drei Personen mit aktuellem Flüchtlingshintergrund erweitert werden würde. Hinter der Aktion steht das Zentrum für politische Schönheit des Berliner Aktionskünstlers Philipp Ruch.

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In der falschen Pressemitteilung, die bei Netzpolitik.org veröffentlicht wurde, heißt es: "Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung wird den vom Stiftungsrat um Prof. Dr. Hans Ottomeyer gefassten Beschluss zur Umstrukturierung der Stiftung in eine Interessenvertretung für die von Flucht und Vertreibung betroffenen Menschen in aller Welt rasch umsetzen." Soweit war die Meldung zwar ungewöhnlich, aber noch nicht gänzlich abwegig. Der folgende Absatz hätte jedoch die Zuständigen dpa-Redakteure stutzig jedoch stutzig werden lassen müssen.

Darin heißt es: "Bundespräsident Horst Köhler hatte bereits am vergangenen Mittwoch angemahnt ‚die Stiftung nicht zu einem Schaustück der Ignoranz verkommen zu lassen, sondern die historische Chance zu nutzen, etwas für die weltweit über 20 Millionen Flüchtlinge zu tun`." In solch einer Deutlichkeit äußert sich der Bundespräsident normalerweise nicht. Zum Ende der PM wird auch noch Bundesminister Bernd Neumann zitiert. Seine Aussage ist nicht erfunden. Sie ist allerdings über ein Jahr alt.

Die Aktion war für die Künstler ein voller Erfolg. So sollen faz.net, T-Online und ftd.de die falsche Meldung gebracht haben. "Und Kulturzeit von 3sat wollte unseren Stiftungsdirektor selbst dann noch zum Interview bitten, als die dpa längst widerrufen hatte", erzählt der falsche Stiftungspressesprecher Dr. Robert Eckhäuser dem Blog Metronaut.de.

Für das Zentrum für politische Schönheit war die falsche Pressemitteilung nicht die erste gelungene Aktion. Während des Wahlkampfes versteigerten die Berliner bereits Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier mit einigem Pressetamtam bei Ebay.

Auch für die Agentur ist es nicht das erste Mal, dass sie auf eine Fälschung hereinfällt. Besonders hohe Wellen schlug das sogenannte Bluewater-Fiasko. Der Kino-Regisseur Jan Henrik Stahlberg ("Muxmäuschenstill") gaukelte im September der dpa einen fiktiven terroristischen Anschlag in der US-Kleinstadt Bluewater vor. Als Lehren dieser Peinlichkeit verschärften die Hamburger die internen Regeln, wie in ähnlichen Fällen mit exklusiven Meldungen umzugehen ist. Rund drei Monate später, passierte nun das nächste Malheur.

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