Bunte.de und T-Online: Zurück in die Zukunft

Erstaunliche Töne von Burda-Vorstand Philipp Welte in Sachen Bunte.de. Die frisch relaunchte Website von Burdas People-Magazin soll wieder stärker unter die Fittiche von T-Online schlüpfen. Das gab es schon mal im Jahre 2002. Damals hieß sogar die ganze Website Bunte.T-Online.de und dieser Deal wurde ebenfalls von Philipp Welte eingefädelt. Was bedeutet dieses Neuaufflammen einer längst vergessenen Partnerschaft? Zunächst einmal das Eingeständnis auf Burda-Seite: Wir können es nicht alleine.

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So redet Welte im Gespräch mit dem "Netzökonom"-Blogger der "FAZ", Holger Schmidt, Bunte.de regelrecht herunter. "Bunte.de ist sicher nicht die hippeste Marke im Netz. Daran wollen wir arbeiten", sagte Welte im "FAZ"-Blog. Und weiter: "Der Traffic auf Bunte.de war in den vergangenen zwei Jahren stark gefallen – am Tiefpunkt auf weniger als 500.000 Besucher im Monat." Das sind ungewohnte Töne aus dem Mund eines so selbstbewussten Managers wie Philipp Welte. Bei der jüngsten AGOF-Reichweitenstudie wurden für Bunte.de immerhin 680.000 Unique Visitors gemeldet. Warum zieht Welte hier einen noch schwächeren Wert aus der Vergangenheit heran?

Bunte.de-Inhalte werden nun bald wieder auf der T-Online-Homepage angepriesen, genau wie damals im Jahre 2002. Umgekehrt werden die T-Online-Dienste Wetter.info, Videoload, Musicload und Gamesload bei Bunte.de eingebaut. Die Werbeerlöse will man sich teilen. Eine klassische Kooperation wie aus Zeiten des seligen Web1.0. 2002 hieß es in der Pressekonferenz zum Start von Bunte.T-Online: "Das Angebot unter www.bunte.t-online.de soll zur größten und ersten Adresse im deutschen Internet für People-Themen werden." Die Kooperation zwischen Burda und der Telekom hatte in den vergangenen Jahren dann sanft geschlummert. Jetzt sagt der zuständige Telekom-Bereichsvorstand Harald Eisenächer: "Unser gemeinsames Ziel ist es, das reichweitenstärkste Premium-People-Portal für die Kernzielgruppe Frauen aufzubauen." Heute soll nun also klappen, was damals nicht so recht funktionieren wollte.

Der Deal ist gleichzeitig eine Absage an die Burda-eigene Technik und Vermarktung. "Burda bringt die Marke Bunte ein und ihre journalistische Kompetenz, die Telekom ihre Reichweite, ihre technologische Kompetenz und ab Januar auch ihre Vermarktungskompetenz", so Welte bei der "FAZ". Der eigenen Technik und Vermarktung wird offenbar nicht mehr zugetraut, Bunte.de nach vorne zu bringen. So wird dann auch folgerichtig die Vermarktung von Bunte.de der Burda-Tochter Tomorrow Focus weggenommen und dem Telekom-Vermarkter Interactive Media zugeschlagen. Die Werbeerlöse sollen geteilt werden.

Inhaltlich will Welte Bunte.de zum Beispiel mit der "Verpflichtung von Mitarbeitern aus der Web2.0-Welt" voranbringen. Bekannte Namen scheinen nicht darunter zu sein, jedenfalls werden keine genannt. Auch für Blogs soll Bunte.de nun geöffnet werden, so Welte weiter. Erstaunlich, denn die Website wurde für Blogs gerade geschlossen. Die zahlreichen Blogs, die bisher von "Bunte"-Print-Redakteuren bestückt wurden, wurden im Zuge des Relaunchs alle gestrichen.

Es bleiben also einige Fragen offen. Die Telekom träumt derweil schon von weiteren Partnerschaften mit Medienunternehmen. Eisenächer: "Wir sind stark in der Inhalte-Aggregation und Distribution. Wir sind keine Inhalte-Produzenten. Das ist nicht unsere Strategie." Wie wäre es mit "Bild" und "heute" vom ZDF? Bild-T-Online.de und heute.T-Online.de gab es immerhin auch schon mal zu Beginn der 2000er Jahre.

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