Lochthofen beklagt „Nazi-Methoden“

Sergej Lochthofen, seit 1990 Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen", ist vom Management der WAZ abgesetzt worden. Auch seine Frau, die stellvertretende Chefredakteurin Antje-Maria Lochthofen, verliert ihren Posten. Gegenüber "Spiegel online" nannte Lochthofen dies "Sippenhaft wie bei den Nazis", was ein WAZ-Sprecher dort "mit Empörung" zurückweist. Nachfolger bei der "Thüringer Allgemeinen" wird Paul Josef Raue (59), Chefredakteur der "Braunschweiger Zeitung". Die Redaktion soll am Abend Protestaktionen diskutiert haben.

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Schon die Pressemitteilung der WAZ ist ungewöhnlich ruppig: Lochthofen solle "eine andere Aufgabe innerhalb der WAZ Mediengruppe übernehmen, die seinen Kenntnissen und Fähigkeiten entspricht". Der Journalist war noch in der Wendezeit 1990 aus der Redaktion heraus auf den Erfurter Chefsessel gelangt und gilt seitdem als einer der exponiertesten Sprecher für ostdeutsche Belange, die er in beinahe täglichen Kommentaren und bei zahlreichen Besuchen im ARD-"Presseclub" vertrat.

Auch gegenüber dpa machte Sergej Lochthofen am Abend seiner "emotionalen Betroffenheit" Luft, wählte dort aber mit "Strukturen wie in der DDR" einen weniger heiklen Vergleich. Gründe seien ihm nicht mitgeteilt worden, er erwarte ein Gespräch mit WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach.

Die Erklärung aus dem WAZ-Konzern trägt wenig zur Aufklärung bei: Die Umbesetzung stehe in Zusammenhang mit einem "seit längerem andauernden umfassenden Erneuerungsprozess" innerhalb der Zeitungsgruppe Thüringen, zu der neben der "TA" auch die "Ostthüringer Zeitung" und die "Thüringische Landeszeitung" gehören.

Sergej Lochthofen genießt den Ruf, im Umgang mit Verlagsmanagern alles andere als "pflegeleicht" zu sein. Das galt dem Vernehmen nach auch für seine Reaktion auf die konzernweit verordneten Sparpläne.

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