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G+J: Vorstandssitz für einen Journalisten?

Mit einem für Insider aufschlussreichen Auftritt hat sich Bertelsmann-CEO Hartmut Ostrowski am Mittwochabend vor dem Club der Hamburger Wirtschaftsjournalisten zur Lage des Konzerns und der Zukunft von Gruner + Jahr geäußert. Die gute Nachricht vorweg: Auch wenn sich der Vorstandschef nicht auf eine Prognose für die kommenden Jahre einlassen wollte, gab er sich doch optimistisch. Mit Blick auf G+J deutete er weitere Verkäufe an und bekannte sich zur journalistischen Tradition des Hauses.

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Der 51-Jährige sprach am Vorabend der heutigen Aufsichtsratssitzung bei Gruner + Jahr gegenüber den versammelten Wirtschaftsjournalisten von "ermutigenden Signalen" hinsichtlich eines baldigen Endes der Wirtschaftskrise. Auf dem Heimatmarkt beobachte er eine "kleine Jahresendrallye auf den Werbeflächen". Daher wolle er auch nicht ausschließen, dass Bertelsmann 2009 positiv mit einem Gesamtgewinn abschließen werde. Zudem werde man die Schuldenlast weiter abbauen können. Bei er Neunmonatsbilanz hatte noch ein Verlust von 246 Millionen Euro zu Buche gestanden.
Zur Lage am Baumwall waren vor allem drei Punkte in den Ausführungen des Chefs des Mutterkonzerns bemerkenswert:
– Die Entwicklung der Wirtschaftsmedien wird auch nach deren gewaltiger Umstrukturierung vor einem Jahr in Gütersloh kritisch gesehen. Ostrowski merkte u.a. an, dass die Entscheidung zur Restrukturierung der G+J-Wirtschaftspresse "zu einem Zeitpunkt beschlossen wurde, als das Ausmaß der Krise noch nicht erkennbar" gewesen sei. Zudem falle ihm auf, dass die "Financial Times Deutschland" sehr wenige Anzeigen enthalte. Seine verhaltene Prognose: "Ich glaube, das kann noch was werden."
– Das Führungs-Trio am Baumwall könnte bald durch ein journalistisches Vorstandsmitglied erweitert werden. Zwar sprach Ostrowski vage von "eines Tages", Beobachter sehen darin aber bei allen strategischen Überlegungen zur künftigen Positionierung eine deutliche Festlegung auf das Kerngeschäft des Zeitschriftenhauses. Wörtlich sagte er: "Gruner + Jahr ist und bleibt ein journalistisches Haus." Angelika Jahr war 2008 aus dem Vorstand ausgeschieden und in den Aufsichtsrat gewechselt. Ihr Posten ist nicht nachbesetzt worden. Offenbar wird hierin auch bei Bertelsmann eine Möglichkeit gesehen, den derzeitigen Konflikt zwischen Vorstand und Redaktionen zu entschärfen. Der Branchendienst "Horizont" spekuliert, dass "stern"-Chefredakteur Andreas Petzold ein Kandidat für den Vorstandssitz sein könnte.
– Der Verkauf ausländischer Geschäfte dürfte bei Gruner + Jahr noch nicht abgeschlossen sein. Anfang der Woche hatte der Verlag bekanntgegeben, dass die russischen Titel von Springer übernommen werden. Ostrowski sprach nun davon, dass G+J "weitere internationale Geschäfte abgeben" könnte. Experten gehen davon aus, dass Polen sowie die Balkan-Bastionen in diesem Zusammenhang aufgegeben werden könnte.
Insgesamt zeigte sich Ostrowski jedoch auch überzeugt, dass es für die zukünftige Geschäftsentwicklung wichtig sei, sich von den schwierigen Werbemärkten unabhängiger zu machen: "Daran wird kein Weg vorbeiführen."

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