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Die Probleme von N24 und Sky

Die Schock-Nachricht vom Mittwoch sitzt tief bei der Belegschaft von N24. Der Infosender der ProSiebenSat.1 Group soll verkauft und neu positioniert werden. Ein komplett anderer Sender hat in Deutschland ebenfalls schwer zu kämpfen: Der Pay-TV-Kanal Sky (ehemals Premiere) legte sehr schlechte Zahlen für das dritte Quartal vor. Nachrichtensender und Bezahlfernsehen haben in Deutschland einen schweren Stand. Aus vielen Gründen.

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Die Schock-Nachricht vom Mittwoch sitzt tief bei der Belegschaft von N24. Der Infosender der ProSiebenSat.1 Group soll verkauft und neu positioniert werden. Ein komplett anderer Sender hat in Deutschland ebenfalls schwer zu kämpfen: Der Pay-TV-Kanal Sky (ehemals Premiere) legte sehr schlechte Zahlen für das dritte Quartal vor. Nachrichtensender und Bezahlfernsehen haben in Deutschland einen schweren Stand. Aus vielen Gründen.

Hauptgrund für die Probleme von Nachrichtensendern wie N24 ist die Übermacht der öffentlich-rechtlichen Kanäle. Gegen die finanzielle Ausstattung der ARD-"Tagesschau" und der ZDF-"heute"-Nachrichten können die Privaten nicht ankommen. n-tv, der Nachrichtensender der RTL Group steht zwar offenbar nicht so schlecht da wie N24, eine Geldmaschine ist aber auch n-tv nicht. Man wird in Köln froh sein, wenn n-tv die Gesamtbilanz nicht trübt.

Nicht umsonst haben sich die deutschen Nachrichtensender schon seit geraumer Zeit vom Profil reinrassiger Nachrichten verabschiedet. Sowohl N24 als auch n-tv senden großflächig Dokus. Beim spontanen Einschalten der Kanäle sieht man häufig Flugzeuträger-Dokus, Filme über Kreuzfahrtschiffe oder Bilder vom Hochhausbau im nahen Osten, aber keine Nachrichten. Und wenn tatsächlich ein schwerwiegendes aktuelles Ereignis geschieht müssen n-tv und N24, wie beim Amoklauf von Winnenden, viel Kritik für mangelhafte Berichterstattung einstecken.

Das Grundproblem: Nachrichten sind extrem teuer in der Produktion, bei Werbekunden aber eher unbeliebt. Oder im TV-Manager-Deutsch: Nachrichten kosten viel und bringen nix. Darum haben sich die Nachrichtensender zu so genannten Infosendern gewandelt, die hauptsächlich Dokus abspielen.

Das Problem der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz plagt auch den Bezahl-Kanal Sky in Deutschland. Die Abozahlen wachsen weitaus langsamer als geplant, wie schwarze Zahlen Ende 2010 erreicht werden sollen, ist völlig unklar. Der "Spiegel" spekulierte schon über einen Abgang von Sky-Chef Mark Williams, was freilich vom Sender dementiert wurde. Auch Sky kämpft dagegen an, dass die ARD das teure Sky-Abo im Prinzip überflüssig macht. Den meisten Fußball-Fans reichen die Zusammenfassungen der Spiele in der ARD-"Sportschau" samstags um 18.30 Uhr. Und später kommt alles nochmal ausführlicher im "Aktuellen Sportstudio" im ZDF. Und wem das nicht reicht, der kann sich alle Tore aus allen Spielen sonntags bei "Bundesliga pur" beim DSF kostenfrei anschauen. Wieso sollten Bundesliga-Fans zwischen 30 und 56 Euro für die teuren Sky-Pakete ausgeben? Die Hardcore-Fans gehen ohnehin ins Stadion und ärgern sich über unvorteilhafte Anstoßzeiten (samstags, 13 Uhr), die Rücksicht auf das TV-Programm von Sky nehmen.

Und mit Filmen lassen sich heutzutage auch nicht mehr genug Zahlungswillige locken. Filmfans investieren lieber in den Kauf der erschwinglich gewordenen Blu-Rays, um ihre hochauflösenden Fernseher zu füttern. Zumal das HD-Angebot bei Sky noch beschränkt ist und extra kostet. Noch dazu gibt es heute sehr individuelle Sehgewohnheiten. Wer Geld zahlt, will nicht unbedingt an ein starres Programmschema gebunden sein.

Es gibt also viele Gründe, warum sowohl Pay-TV als auch Nachrichtensender in Deutschland nicht funktionieren. N24 steht ein Verkauf oder eine Umstrukturierung zum reinen Dokusender bevor. Letzteres erscheint zum heutigen Zeitpunkt wahrscheinlicher. Bei Sky regiert das Prinzip Hoffnung, dass zusätzliche HD-Kanäle im kommenden Jahr mehr Abonnenten anlocken. Ein gewagtes Spiel.

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