Dunkle Wolken über Infosender N24

Neue Entwicklungen in der Diskussion um die Zukunft von N24. Auf einer Betriebsversammlung sprachen am Mittwoch ProSiebenSat.1-Boss Thomas Ebeling und German-Free-TV-Chef Andreas Bartl in Berlin mit der N24-Belegschaft. Ebeling soll nach MEEDIA-Informationen sehr offen und souverän mitgeteilt haben, dass außer der kompletten Schließung des Senders alle Optionen diskutiert würden. Auch der Verzicht auf Nachrichten und der Umbau zum reinen Doku- und Doku-Soap-Sender.

Anzeige

Mitarbeiter, die dabei waren, sprechen gegenüber MEEDIA davon, dass Ebeling "anständig" und "offen" mit ihnen umgegangen sei und ihnen dabei keine falschen Hoffnungen gemacht habe. Im Vorstand werde derzeit über N24 diskutiert, für das jetzige Geschäftsmodell des Senders sehe man aber keine Zukunft mehr. Eine Entscheidung, in welcher Form es weitergeht, soll bis spätestens Februar oder März fallen und der Öffentlichkeit mitgeteilt werden.

Diskutiert werden dabei offenbar sämtliche Modelle außer einem kompletten Aus für den Sender. Denkbar ist aber ein Umbau zur reinen Abspielstation von Dokus, Reportagen und Doku-Soaps ohne aktuelle Nachrichten. Eine Rumpfredaktion, die die Nachrichtensendungen von ProSieben, Sat.1 und kabel eins produziert, könnte behalten werden, doch N24 als Nachrichtensender wäre Geschichte. Denkbar ist zudem, dass sich am Programmschema nichts ändert – allerdings nur dann, wenn erhebliche Kosten eingespart würden. Diese Möglichkeit ist allerdings die unwahrscheinlichste.

Ein Verkauf von N24 fällt offenbar mangels Interessenten als Lösung flach, Nachrichtenfernsehen ist in Deutschland einfach ein Zuschussgeschäft, mit dem kein Geld zu verdienen ist. Ob sich ProSiebenSat.1 ein solches publizistisches Aushängeschild noch leisten will, kann zum jetzigen Zeitpunkt wohl getrost mit "Nein" beantwortet werden. Zu sehr hat sich der Vorstand wohl schon vom aktuellen Geschäftsmodell verabschiedet. Schwierig bleibt aber wohl die Abwägung, wie man die bevorstehenden Einschnitte so verkauft, dass in der Politik keine neue Heuschreckendebatte losgetreten wird. Denn eine solche Debatte könnte dem Konzern noch mehr schaden als die paar Millionen für Nachrichtensendungen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige