Berliner Pimmelstreit wird zur Farce

Der Diekmann-"taz"-Pimmel-Komplex gerät langsam zur Farce. Nachdem sich der "Bild"-Chef in seinem Blog erst als rasender Reporter stilisierte, der nach den Hintermännern der taz"-Parodie "Wir sind Schwanz" fahndet, hat er sich nun in der "FAZ" als Urheber geoutet. Er wolle nun "die Druckplatte der Sonderausgabe in einem schönen Rahmen und mit Widmung an Ines Pohl übergeben". Überhaupt scheint Diekmann die Taktik zu ändern. Jetzt nimmt er sich die neue Chefredakteurin direkt vor.

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Bei der Frage, wer steckt hinter der Fake-"taz", entwickelte Diekmann eine offenbar großer Freude am medialen Versteckspiel und formulierte Sätze wie "Ich weiß, es nervt. Aber als guter Reporter muss man eben dranbleiben, solange die Story läuft" oder "aber wissen, was hinter all dem steckt, will ich natürlich doch. Die Recherche nach den Hintergründen läuft weiter auf Hochtouren. Stay tuned".

In dem Diekmann-Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" geht es vorgeblich um die "Grenzen der Satire"; Diekmann und "FAZ"-Medienchef Michael Hanfeld präsentieren sich als eingespieltes Komiker-Duo, das sich rund um die Penis-Thematik die Bälle zuspielt.

Zudem verrät der "Bild"-Chef, dass er eine falsche Boulevarisierung der "tageszeitung" befürchte. "Was die ‚taz‘ macht, ist allerdings Boulevard der siebziger Jahre, sozusagen die ‚Eis-am-Stil‘-Phase: Sex und Zoten." Weiter sagt er, dass ihm die neue Chefredakteurin der „taz“, Ines Pohl,  leid tue. Tatsächlich ist die Nachfolgerin von Bascha Mika in der öffentlichen Wahrnehmung die große Verliererin der Diekmann-Kampagne. Seit Wochen treibt er Pohl nun mit seinen vermeintlichen Witz-Attacken vor sich her.

Zu recht merkt Diekmann an, dass es eigentlich genügend wichtigere "taz"-Themen gäbe: "Da ist eine neue Regierung, es gibt große Diskussionen um Klimagipfel, Betreuungsgeld, informationelle Überforderung – und Frau Pohl widmet einen ihrer größten Leitartikel ‚prallen Hodensäcken‘, ‚langen Pimmeln‘ und der Frage: ‚Wie viel Schwanz darf sein?‘ Kein guter Start."

Am Mittwoch kommt es bei der "tageszeitung" zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung. Diekmann nutzt das FAZ-Interview gleich noch einmal, um seinen "Genossen" vorzuschlagen, Ines Pohl ruhig ein ungemütliches Treffen zu bescheren und sich – mal wieder – als ihr Nachfolger ins Spiel zu bringen. "Wenn es zu einer Gewaltorgie kommt und Ines Pohl dies als Chefredakteurin nicht überleben sollte, stehe ich zumindest als Interimslösung jederzeit zur Verfügung. Dass das gut funktioniert, habe ich als Chefredakteur der Jubiläums-‚taz‘ zum 25. Geburtstag der Zeitung ja bewiesen: höchste Auflage aller Zeiten." Achtung Satire könnte man da Beteiligten und Lesern zurufen. Nahe liegender wäre: bitte ganz schnell aufhören.

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