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Springer kauft G+J-Russlandgeschäft

Der Deal ist perfekt: Nachdem MEEDIA und andere Mediendienste bereits in der vergangenen Woche über Verhandlungen zwischen Gruner + Jahr und Springer über einen Verkauf der russischen G+J-Titel berichtet hatten, melden die Verlage heute Vollzug. Danach kauft Springer die Ost-Ableger von "Geo", "Geolino", "Geo Traveller" sowie die "Gala Biography". Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart, er dürfte nach MEEDIA-Informationen aber um fünf Millionen Euro liegen.

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Für Gruner + Jahr ist dieses Geschäft zwar in Zahlen gerechnet lediglich eine kosmetische Maßnahme im Portfolio. Dennoch ist diese nicht ohne Brisanz: Gemessen am Anspruch, den einst Vorstandschef Gerd Schulte-Hillen und sein Auslands-Pionier Axel Ganz formulierten, ist der Rückzug aus Russland auch der Abschied vom Vorhaben, G+J zu einem weltumspannenden Zeitschriftenhaus zu machen.
Nachdem sich der Verlag bereits 2005 weitgehend vom US-Markt verabschiedet hatte, stehen heute im Ausland nur noch vier Kernmärkte in der Unternehmensbilanz: Frankreich, Österreich, Spanien und der Wachstumsmotor China. Russland war, wie viele Auslands-Bastionen, stets ein schwieriger Markt. Dass Gruner + Jahr diesen nun verlässt, ist eine Konsequenz der Logik von Auslands-Vorstand Torsten-Jörn Klein, der im Zuge des Umbaus des Medienhauses bestrebt ist, sein Titel-Paket zu straffen und auf wenige Kernmärkte zu reduzieren.
Anders als bei den üblichen Auslands-Deals ist es hier allerdings so, dass Kernmarken von Gruner + Jahr zum Verkauf stehen. Axel Springer wird Lizenz-Nehmer von Traditionstiteln wie "Geo" oder "Gala". Selbst wenn es sich hier um Russland dreht, muss man sich dies einmal auf der Zunge zergehen lassen. Denn es heißt nichts weniger als: Gruner + Jahr kann diese Objekte in einem der größten (wenn auch schwierigsten) Märkte der Welt nicht perspektivisch führen. Springer, wenngleich in Russland mit "Forbes" und "Newsweek" deutlich präsenter als G+J, signalisiert lächelnd: Yes, we can. Das sollte zu denken geben. Eine interessante Konstellation könnte sich auch ergeben, da G+J eigentlich als "Hüter der Marke" etwa bei "Geo" die Qualitätskontrolle und Ausrichtung des Titels durch Springer kontrollieren muss.
Gruner war seit 1997 in Russland aktiv. Offiziell wird der Deal am Dienstag bekannt gegeben. Springer weitet damit sein Titelangebot in Russland aus. Laut "Handelsblatt" zahlt das Berliner Medienhaus zusätzlich zum Kaufpreis Lizenzgebühren in Höhe von "mehreren hunderttausend Euro". Der Verlag vertreibt in Russland bereits Lizenzausgaben von "Forbes", "Newsweek", "Computerbild" sowie "OK".

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