Der Kampf um das „N“ bei N24

Die teuren Nachrichten sind wieder ins Gerede gekommen beim Infosender N24. Nach einer "Spiegel"-Meldung, der Kanal wolle bei den Nachrichtenstrecken einsparen, informierte N24-Chef Torsten Rossmann seine Mitarbeiter am Montag nach MEEDIA-Informationen über seine Sicht der Dinge. Es sei noch nichts entschieden, die Budgetverhandlungen für das Jahr 2010 seien noch nicht abgeschlossen. Mitarbeiter fürchten jedoch, dass N24 künftig noch weniger Nachrichten und noch mehr Dokus zeigt.

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Einsparungen werden auch offiziell nicht ausgeschlossen. So sagt ProSiebenSat.1-Sprecher Julian Geist gegenüber MEEDIA, man denke intensiv darüber nach, wie man künftig wirtschaftlich darstellbare Nachrichten produzieren könne, die das junge Publikum auch interessieren. Allerdings seien die noch laufenden Budgetverhandlungen kein Zeichen dafür, dass ein neuer Sparkurs schon beschlossene Sache sei, denn bei allen ProSiebenSat.1-Sendern würden die Verhandlungen für das kommende Jahr noch laufen. Zudem stehe die Weiterentwicklung des Senders im Vordergrund der Gespräche.

Nach MEEDIA-Infos wurde bereits vor einigen Monaten beschlossen, Kosten bei N24 einzusparen, indem für 2010 keine Sportrechte eingekauft würden. Längere Berichte über die Olympischen Winterspiele oder die Fußball-WM wird es damit nicht geben. Im Zuge dieser Entscheidung wurde dann auch die Personalie Timon Saatmann bekannt. Der Noch-Sportchef von N24 wechselt am 1. Januar zum SID, wird dort Chefredakteur für Bewegtbildinhalte. Doch die Einsparungen durch den Verzicht auf Sportbilder reichen offenbar nicht aus, die Kosten sind den Konzerneignern weiterhin zu hoch und sollen möglichst weiter verringert werden.

Derzeit werden laut konzernnahen Kreisen verschiedene Szenarien durchgespielt, wie N24 künftig aussehen könnte. Im Extremfall würde der Sender wohl nur noch zur vollen Stunde 5- bis 15-minütige Nachrichten zeigen und den Rest des Programms mit günstigeren Dokumentationen und Magazinen bestreiten. Eine Entscheidung darüber ist wie gesagt noch nicht gefallen, doch sollte man die Nachrichtenstrecken, die ohnehin nur noch im Morgenprogramm durchgängig gesendet werden, tatsächlich weiter kürzen, würde das wohl nicht ohne Personalabbau vonstatten gehen.

Anders als in Unterhaltungs-Genres werden Einsparungen im Informationsprogramm der Privatsender allerdings in größeren Kreisen diskutiert. Ein eventueller Beschluss über weniger Nachrichten dürfte also auch bei Werbekunden und in der Politik für Aufmerksamkeit und Aufsehen sorgen. Dementsprechend schwer dürfte es den ProSiebenSat.1-Managern fallen, eine solche Entscheidung zu treffen.

Objektiv betrachtet müsste man den Senderverantwortlichen allerdings sogar recht geben, wenn sie über eine neue Programmstruktur mit weniger Nachrichten und mehr Dokus nachdenken, denn Dokus kosten weniger und bringen dennoch mehr Zuschauer. Ein Blick auf die Quoten zeigt regelmäßig, dass vor allem Dokumentationen und Wissensmagazine viel Publikum zu N24 locken und eben nicht die normalen Nachrichten. Für das Image von Sender und Konzern wären noch weniger Nachrichten bei einem immer noch so betitelten Nachrichtensender allerdings kein gutes Zeichen. Es sei denn, man möchte das "N" im Namen streichen und den Sender in Doku24 umbenennen.

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