Wickert-Kritik: Gniffke schießt zurück

"Tagesschau"-Chefredakteur Kai Gniffke hat im Blog der Nachrichtensendung auf die harte Kritik des ehemaligen "Tagesthemen"-Moderators Ulrich Wickert geantwortet. Wickert hat in einem Zeitungsbeitrag die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen als schlampig formuliert und unsicher in der Themensetzung bezeichnet. Gniffke kontert die Vorwürfe im Detail und zeigt sich von den Vorwürfen "überrascht". Die Kommentatoren im "Tagesschau"-Blog geben aber eher Wickert Recht.

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Gniffke geht in sachlichem Tonfall auf die harte Kritik des ehemaligen Kollegen Uli Wickert ein. Wickerts Vorwurf, die "Tagesschau" habe nicht das komplette neue Bundeskabinett vorgestellt, vertrage sich nicht mit der Berichterstattung, schreibt Gniffke. Die "Tagesschau" habe in ausführlichen Beiträgen über Minister und die inhaltliche Ausrichtung ihrer Häuser berichtet. "Das geht dann doch über das Aufzählen von Namen hinaus", so der "Tagesschau"-Chef.

Auch der von Wickert als "Chronistenpflicht" kritisierte Aufmacherbeitrag über einen Bombenanschlag im Irak wird von Gniffke explizit verteidigt: "Das ist (zum Glück) kein Alltag in Bagdad, sondern es waren die schwersten Anschläge seit zwei Jahren. Das gehört nach meinem Nachrichtenverständnis natürlich vornehin in die Tagesschau, noch vor die Bestätigung des Koalitionsvertrages durch einen euphorisierten FDP-Parteitag."

Dass Wickert den Nachrichtensendungen von ARD und ZDF vorwirft, es fehle das Bewusstsein für den öffentlich-rechtlichen Auftrag, überrascht Gniffke. "Das hatte ich so noch nicht gehört. Vielmehr neckt man uns ja gelegentlich damit, wir seien zu staatstragend", so Gniffke. Und auch die Kritik an "schlampig formulierten" Texten kann der Chefredakteur nicht auf sich sitzen lassen: "Unsere Texte finde ich sprachlich außerordentlich akurat, und zudem gewinnen sie durch den unfallfreien, engagierten Vortrag unserer Präsentatoren." Am Ende seiner Antwort fordert Gniffke die Leser auf, ihre Meinung zur Wickert-Kritik in den Kommentaren zu äußern.

Dies geschieht auch. Aber anders, als sich Gniffke das erhofft haben dürfte. Die meisten der Leser-Kommentare pflichten Wickerts Kritik bei. Der Vortrag und die Texte der "Tagesschau" werden deutlich kritisiert. Und ein Leser hat sich die fragliche Sendung mit der Vorstellung des Bundeskabinetts nochmals angeschaut und gibt Wickert ebenfalls Recht: in der "Tagesschau"-Sendung seien acht Minister nicht erwähnt worden.

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