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Burdas Xing-Investment: Ende der Fantasie

Die monatelangen Spekulationen haben ein Ende: Xing hat einen neuen Großaktionär. Doch nicht LinkedIn oder ein glamouröses US-Dot.com-Unternehmen haben den 25-Prozent-Anteil von Gründer Lars Hinrichs übernommen – sondern der Internet-Arm des Münchner Burda-Verlags. Und das zu alles andere als großen Aufschlägen. Gerade mal 12 Prozent mehr als der aktuelle Kurs bekommt Hinrichs für sein Aktienpaket – der Mythos von der Übernahmefantasie von Xing geht damit zu Ende.

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Die monatelangen Spekulationen haben ein Ende – Xing hat einen neuen Großaktionär. Doch nicht LinkedIn oder ein glamouröses US-Dot.com-Unternehmen haben den 25-Prozent-Anteil von Gründer Lars Hinrichs übernommen – sondern der Internet-Arm des Münchner Burda-Verlags. Und das zu alles anderen als großen Aufschlägen. Gerade mal 12 Prozent mehr als der aktuelle Kurs bekommt Hinrichs für sein Aktienpaket – der Mythos von der Übernahmefantasie Xing geht damit zu Ende. 

Man muss sich Lars Hinrichs als einen glücklichen Menschen vorstellen. Ein Jahr ist es her, dass der damals noch 31-Jährige den seinerzeit völlig überraschenden Rücktritt als Xing-CEO bekannt gab – gerade mal fünf Jahre nach der Gründung. Ein Jahr später hat er sich der Seriengründer auch als Großaktionär aus seiner Xing AG, die im Oktober 2003 als open BC gestartet war, verabschiedet.  

Gerade mal symbolische zwei Prozent verbleiben über Hinrichs Beteiligungsgesellschaft Cinco Capital GmbH beim Gründer – nach aktuellem Börsenwert rund 3,5 Millionen Euro. Mit den anderen 25,1 Prozent, genau 1.323.04148 Aktien, macht Hinrichs Kasse und erlöste stolze 48 Millionen Euro.

Eine stolze Summe deshalb, weil Hinrichs damit seinen Popstar-Status, den er im deutschen Web 2.0 längst innehatte, tatsächlich monetarisiert – und gleichzeitig in die Liga der Josef Ackermanns oder Michael Ballacks auftsteigt. 48 Millionen für fünf Jahre Arbeit, das Jahresgehalt noch nicht mitgerechnet: das entspricht 9,6 Millionen Euro jährlich. So gut hat aus der deutschen Internetbranche kein CEO verdient – schon gar nicht mit Anfang dreißig. Respekt!

Profitabler, aber kein spektakulärer Verkauf: 21 Prozent Plus in drei Jahren

Gleichzeitig entzaubert Hinrichs mit seinem Verkauf den Börsenmythos von Xing, der ohnehin seit seinem Rücktritt gelitten hatte – die Aktie bewegte sich seitdem kaum mehr vom Fleck. An den Aktienmärkten werden Insiderverkäufe, also Verkäufe von Mitarbeiteraktien im größeren Stil, seit jeher sehr genau beäugt. Es gilt die unausgesprochene Börsenregel: So wie der Gründer seine Anteile verkauft, so sieht er selbst den Marktwert. Ein deutlicheres Signal kann es kaum geben.

So wenig der Verkauf von Hinrichs’ Aktienpaket eine Überraschung ist – "Der Aktionär" und andere Medien hatte darüber bereits im September gemutmaßt –, so sehr ist es doch der Preis und Käufer. 36,50 Euro erlöste der 32-Jährige für seine 25,1 Prozent – das sind 5 Euro je Aktie oder 16 Prozent mehr als der Schlusskurs von gestern.

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Gegenüber dem Ausgabekurs von 2006 hat Hinrichs seine Anteile damit um insgesamt 21 Prozent gesteigert – nicht schlecht, aber doch weit von einstigen Höchstkursen um 50 Euro und sogar etwas vom Septemberhoch bei knapp 39 Euro entfernt. Kurse von um die 40 Euro, die etwa "Der Aktionär" als Zielmarke wegen der bestehenden Übernahmefantasie genannt hatte, konnte Hinrichs nicht erzielen. Trotzdem verkaufte er.

Burda könnte ganz übernehmen – zu vergleichbaren Kursen

Für die Xing-Aktionäre muss das Transaktionsniveau eine Enttäuschung sein. Um müde drei Prozent kletterte die Xing-Aktie heute nach Bekanntgabe des Großaktionärwechsels auf 32,60 Euro dann auch nur nach oben – fast 4 Euro von dem Preis entfernt, den Hinrichs selbst erzielte.

Das dürfte nicht zuletzt am neuen Großaktionär gelegen haben. Nicht US-Rivale LinkedIn oder ein internationales Internet-Schwergewicht sicherten sich ein Viertel am deutschen Web 2.0-Unternehmen, sondern die Burda Digital GmbH, der Internet-Arm des Münchner Verlags. Das bringt für das Hamburger Online-Business-Netzwerk Planbarkeit, für Aktionäre jedoch gleichzeitig das Ende des spekulativen Momentums.    

Aus dem Lager der  hoch gewetteten  Übernahmekandidaten, die traditionell mit höheren Multiplen  gehandelt werden, hat sich Xing nämlich damit seit heute verabschiedet. Eine mehrheitliche Übernahme durch Burda erscheint durchaus denkbar – zu welchen Kursen sie allerdings erfolgen dürfte, macht die heutige Transaktion deutlich. Keine Frage: Operativ ist Xing weiter gut aufgestellt und kann aus sich selbst heraus noch weiter wachsen, das haben die jüngsten Quartalszahlen belegt. Die Kursfantasie der Aktiengesellschaft indes – sie ist entwichen.

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