Der Xing-Deal und die Verlagsbranche

Der doppelte Burda: Auf den Zeitschriftentagen in Berlin präsentierte sich der Verleger in seiner Funktion als VDZ-Präsident, redete Print stark und geißelte Google. Einen Tag später verkündet sein Medienhaus, dass man sich für 48 Millionen Euro an Xing beteiligt hat. Burda widerspricht sich nicht, er fährt vielmehr eine ähnliche Doppelstrategie wie sein Springer-Kollege Mathias Döpfner. Beide Manager glauben daran, dass die Zukunft der Verlage im Web liegt. Der neue Schachzug lässt G+J, WAZ und Bauer gestrig aussehen.

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Der doppelte Burda: Auf den Zeitschriftentagen in Berlin präsentierte sich der Verleger in seiner Funktion als VDZ-Präsident, redete Print stark und geißelte Google. Einen Tag später verkündet sein Medienhaus, dass man sich für 48 Millionen Euro an Xing beteiligt hat. Burda widerspricht sich nicht, er fährt vielmehr eine ähnliche Doppelstrategie wie sein Springer-Kollege Mathias Döpfner. Beide Manager glauben daran, dass die Zukunft der Verlage im Web liegt. Der neue Schachzug lässt G+J, WAZ und Bauer gestrig aussehen.

Im Vergleich zu anderen Medienhäusern scheinen Springer, Burda und auch Holtzbrinck eine klare Internet-Strategie zu haben: Sie setzen auf Zukäufe und hoffen so schon bald über 25 Prozent ihres Umsatzes im Web einfahren zu können. 

Bei der Print-Konkurrenz von G+J, der WAZ oder Bauer vermisst man aktuell eine ähnliche Perspektive. Weder am Baumwall noch in Essen verfügen die Manager über Web-Unternehmen, die in den kommenden Jahren ähnlich hohe Web-Einnahmen generieren können. Mit jedem Jahr, dass die Verlage mit ihren Investments jedoch warten, wird es umso schwieriger, gute Online-Companys zu realistischen Preisen zu erwerben.

Bei den vermeintlichen Web-Verweigerern wird gerne auf Holtzbrinck und das noch immer völlig unkalkulierbare StudiVZ-Investment hingewiesen. Nach Meinung vieler traditioneller Verlagsgeschäftsführer hat Stefan von Holtzbrinck mit dem Kauf der Community ohne Not und Perspektive rund 100 Millionen Euro verbrannt – und noch immer verdient das Social Network nicht nur kein Geld, sondern sorgt für viele negativen Schlagzeilen. 

Aus dem vermeintlichen StudiVZ-Debakel haben alle Verlagshäuser ihre Lehren gezogen – auch Springer und Burda. Denn beide Medienhäuser investieren nur noch größerer Summen in Online-Unternehmen, wenn diese auch Einnahmen erzielen. Die Job-Plattform Stepstone ist so ein Beispiel, wie auch das Burda-Investment Holidaycheck. 

Die Neuerwerbung Xing passt genau in dieses Muster. Denn seit Gründung des Unternehmens schreibt die Business-Plattform schwarze Zahlen. Burda könnte viel Freude an seiner neuen Beteiligung haben, auf der Risikoseite steht allerdings auch der so genannte Facebook-Faktor: Denn wie bei StudiVZ und Facebook befindet sich auch Xing in einer Position, im deutschsprachigen Raum Marktführer zu sein. Das globale Marktsegment Business-Portale wird von LinkedIn beherrscht. 

Es besteht nun die Gefahr, dass LinkedIn – ähnlich wie Facebook – immer mehr Marktanteile auch hierzulande dazu gewinnt. Die Bedrohung, dass Xing deshalb auf seinen wichtigen Heimatmarkt immer stärker unter Druck gerät, ist da. Aber noch konnte Xing seine Position verteidigen. 

Mit einem mächtigen Medienhaus wie Burda im Rücken dürften sich nun noch genügend Möglichkeiten finden, auch weiterhin für ein deutliches Wachstum auf der Businessplattform zu sorgen.

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