Hubert Burda macht der Print-Branche Mut

Die Printbranche macht sich selbst Mut. Mitten in der Struktur- und Anzeigenkrise schöpfen viele Verleger Hoffnung. Zur Eröffnung der Zeitschriftentage 2009 in Berlin formulierte VDZ-Präsident Hubert Burda das neue Selbstbewusstsein: „Ich war letztes Jahr viel pessimistischer, als ich es heute bin.“ Und weiter: „Bei mir ist die Gewissheit da, dass die Zeitschriften und das gedruckte Buch überleben werden.“ Mit 850 angemeldeten Teilnehmern verzeichnet die Veranstaltung eine Rekordbeteiligung.

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Burda verglich die derzeitige Lage der Verlage mit der Herausforderung, der die Welt vor 500 Jahren ausgesetzt war. Durch die Erfindung des Buchdrucks und die Entdeckung Amerikas sei dies eine „Schwellenzeit“ gewesen, in der neben den terrestrischen Verkehrswegen die maritimen an epochaler Bedeutung gewonnen hätten. Systemisch sei dies identisch mit dem digitalen Strukturwandel, bei dem zu den traditionellen Kommunikationskanälen neue Verbreitungswege hinzugekommen seien. Mit Blick auf die Situation vor einem halben Jahrtausend sagte Burda: „Wie wir heute sehen, sind die terrestrischen Wege nicht weg, die maritimen sind hinzugekommen.“

Dabei sei der Ansatz vieler Medienunternehmer, nun einseitig auf die neuen Kanäle zu setzen, ebenfalls mit Risiko verbunden: „Nicht alle Fuhrleute sind als Seefahrer ausgebildet.“  Für die Verlagshäuser komme es in erster Linie darauf an, das bewährte Kerngeschäft „mit Augenmaß zu verändern und den neuen Gegebenheiten anzupassen“. Seine Überzeugung: „Die Seewege sind interessant, aber nicht immer lohnend.“ Burda verwies auf seine Erfahrungen mit der Tomorrow Focus AG und seine Aussage im Januar beim Digital Life Design-Kongress, nach der mit Werbung im Web nur „lousy Pennies“ zu verdienen seien: „Damals begann eine Diskussion, und wir wissen, dass sich alle werbefinanzierten Angebote im Internet wahnsinnig schwer tun. Damit wird kein Mensch reich.“

Skeptisch zeigte sich Burda auch beim Plan des US-Konzerns News Corp, Paid Content in naher Zukunft für Medieninhalte seiner Zeitungen einzuführen: „Ich weiß nicht, was der Murdoch sich da vorstellt.“ Das sei bei mobilen Anwendungen etwa auf dem iPhone oder Blackberrys denkbar, aber er habe Zweifel, dass die Nutzer in der breiten Masse bereit seien, für Medieninhalte online zu zahlen.

Der VDZ-Präsident setzte in seiner Eröffnungsrede auch die wichtigsten Verbandsthemen bei den Zeitschriftentagen, darunter den Widerstand gegen neue EU-Werbebeschränkungen, die auch von der Berliner Regierung unterstützt werden, den „Fair Share“-Konflikt mit Google sowie die Positionierung gegenüber den Web-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, die gerade in der Krise vom Gebührenmodell profitierten: „Jeder hätte gern so feste Einnahmen wie ARD und ZDF. Das ist das beste Abosystem, das je erfunden wurde.“

Die Veranstaltung, bei der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprechen wird, dauert noch bis Dienstag.

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