Web-Spenden finanzieren „NYT“-Artikel

Während die Zeitungsverlage nach neuen Wegen suchen, angesichts von schwindenden Einnahmen journalistische Inhalte produzieren zu können, haben interessierte Leser eine Reportage in der "New York Times" finanziert. Um über einen gigantischen Müllstrudel im Pazifik berichten zu können, sammelte die Journalistin Lindsey Hoshaw einen Großteil der Reisekosten in Höhe von 10.000 Dollar über Spenden ein. Nicht jeder allerdings ist von dem Erfindungsreichtum begeistert.

Anzeige

Das Geld sei für die aufwändige Anreise und Recherche vor Ort nötig gewesen. Der Meeresbereich liegt rund 1.000 Kilometer südöstlich von Hawaii. Der Müllstrudel besteht aus allen Arten von Abfall sowie Myriaden reiskorngroßer Plastikstückchen und wird auf eine Größe geschätzt, die der anderthalbfachen Fläche Deutschlands entspricht. Dieser Abfall stellt eine unabsehbare Gefahr dar – nicht zuletzt, weil sich im Kunststoff gefährliche Chemikalien anreichern, die über die Nahrungskette wieder in den Supermärkten landen.

Unter dem Text druckte die "New York Times" die interessante Erklärung ab: "Die Reisekosten wurden zum Teil von Lesern von Spot.Us bezahlt, einem gemeinnützigen Web-Projekt, das Freie Journalisten unterstützt." Rund 6.000 Dollar der insgesamt 10.000-Dollar-teuren Recherchereise kamen so zustande.

Diese Art der Finanzierung – "Crowd Funding" – ist in manchen anderen Produktionsfeldern, etwa bei Musik oder Film, erfolgreich gewesen, bevor Spot.Us-Chef David Cohn die Methode auf den Journalismus anwandte. Die Vorschläge, die auf seinem Portal das Valet der Nutzer finden und fertiggestellt werden, werden standardmäßig unter Creative-Commons veröffentlicht, also kostenlos. Kauft sich ein Verlag die Rechte an dem Produkt, werden die entsprechenden Spenden zurückerstattet. Laut DiePresse.com hatte Spot.Us auf diese Weise im August 2009 bereits 30 Projekte finanzieren können.

Doch die Finanzierung von journalistischen Arbeiten durch private Spenden stößt auch in der Öffentlichkeit auf Kritik: Die "NYT" habe das Problem der Finanzierung auf die Autorin abgewälzt. Auch über eine Kollaboration der Zeitung mit Spot.Us wurde spekuliert. Sowohl das Web-Portal als auch die "NYT" haben im Sommer – während die Spendenaktion lief – erklärt, dass es sich nicht um eine Zusammenarbeit handele. Die Zeitung entscheide unabhängig darüber, ob sie die fertige Geschichte kaufen werde.

In einem Beitrag räumte der "NYT"-Redakteur Clark Hoyt bereits im Juli dieses Jahres ein, dass diese Art der Finanzierung "für manche Ausbeutung ist". Auch für die "NYT" sei dies ein "Schritt in eine neue Welt, der vor wenigen Jahren noch undenkbar" erschien. Aber Anzeigenverluste und technische Fortschritte änderten die Beziehung zwischen der Öffentlichkeit und den Nachrichtenorganisationen und erforderten neue Wege, um journalistische Inhalte zu erstellen. Wichtig sei Transparenz: "Die ‚Times‘ schuldet ihren Lesern eine umfassende Erklärung zur Beziehung, wenn sie ein Gemeinschaftsprojekt veröffentlicht."

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige