Döpfner: „Mediengeschäft nicht krankreden“

Beim Conference Call zu den Konzernzahlen für das dritte Quartal präsentierte sich Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner in Angriffslaune. Der 46-Jährige sieht in der Krise Licht am Horizont: "Wir sind überzeugt, dass der tiefste Punkt des Tales hinter uns liegt." Springer werde bei der Vermarktung "antizyklische Signale" setzen. Mit Blick auf die EBITDA-Marge im eigenen Zeitungsgeschäft von 25,4 Prozent bemerkte Döpfner spitz: "Diese Zahlen relativieren vieles, was derzeit über die Kriese gesagt wird."

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Angesichts solch "traumhafter" (Döpfner) Renditen wurde der Vorstandschef noch deutlicher: "Man sollte sich hüten, das Mediengeschäft nicht krankreden." An wen sich diese Mahnung richtet, ließ Döpfner offen. Aber man erinnert sich: Zuletzt hatte sein Amtskollege bei Gruner + Jahr, Bernd Buchholz, mit Blick auf die Krise in einem "Spiegel"-Interview bekannt: "Es geht uns nicht gut." Zudem seien im Print-Business die Umsätze generell rückläufig, und dieser Trend sei auch nicht umkehrbar. Döpfner sieht dies offensichtlich anders: "Die Medienbranche wird unterschätzt."
Allerdings basiert auch Döpfners optimistischer Blick in die Zukunft auf der Prämisse, dass sich die Wirtschaft nun langsam wieder erhole. Zwar schlage dies noch nicht auf den Werbemarkt durch, doch rechne er für Springer 2010 mit einer Ergebnissteigerung. Um dies nicht dem Zufall zu überlassen, wird der Konzern bis Jahresende außerpalnmäßig investieren. Für "antizyklische Marketingaktivitäten" hat das Medienhaus vor allem bei der Bild- und der Welt-Gruppe 20 Millionen Euro bereitgestellt.
Dass Springer hier so die Muskeln spielen lässt, dient dem Ziel, die Marktanteile der eigenen Objekte deutlich zu erhöhen. Döpfner: "In einem Umfeld, wo sich alle ducken und kaum noch einer bewegt, bieten sich Chancen." Diese Philosophie der "antizyklischen Signale" empfehle Springer auch seinen Kunden: "Weil wir glauben, dass Werbung wirkt, werben auch wir."
Als einen der Wachstumsmotoren des Konzernumsatzes lobte Döpfner das Digitalgeschäft, das nach dem dritten Quartal bereits die Schwelle von 300 Millionen Euro Umsatz überschritten haben und schon 19,3 Prozent des Gesamtgeschäfts ausmache. Als wichtigste Aufgabe identifizierte der Vorstandschef die Einführung von Paid Content: "Dieses Projekt hat ganz klare Priorität. Exzellenter Journalismus und aufwändige Recherche haben über Jahrhunderte funktioniert. Warum sollte das nicht auch im Digitalzeitalter möglich sein?"
Entscheidend sei dabei, dass dem Kunden "positive Angebote" gemacht würden: "Zwei Dinge sind dafür die Voraussetzung: Erstens müssen die Inhalte attraktiv sein, zweitens müssen die Abrechnungsmodelle ganz einfach sein." Mit kostenpflichtigen Apps für iPhones habe man erste Versuche gestartet, Freemium-Modelle für die großen Portale würden folgen: "Sicher wird es dabei auch Rückschritte und Korrekturen geben, aber das ist nicht erheblich. Wichtig ist, dass wir alles tun, um einen Weg zu finden."
Einen Konfrontationskurs gegen die Suchmaschine Nummer eins will Döpfner dabei nicht einschlagen: "Google ist für uns alle ein unverzichtbarer Partner, sofern die Suchmaschine sich an die Spielregeln hält. Den Weg von Murdoch werden wir nicht gehen."

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