PR-Fuzzi, Marke Diekmann, ein Nilpferd

Diese Woche in den Medien: An Deutschlands skurrilstem PR-Fuzzi, Dr. Falk Köhler, und seiner Homepage scheiden sich in Kommentaren die Geister, die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" stichelt via Riesen-Anzeige mit einem Nilpferd gegen die Schrumpfkur des "Handelsblatt", das ZDF lässt "Wetten dass..?"-Zuschauer via Facebook mitreden und "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann verwandelt sich dank seines Blogs immer mehr zu einer Kunstfigur, man könnte auch sagen: zu einer Marke.

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Der Beitrag zur skurrilen Homepage der „Dr. Falk Köhler PR“ bei MEEDIA sorgte für einigen Wirbel in der Kommentarspalte. Viele amüsierten sich und hatten eigene, kleine Geschichten über „Deutschlands skurrilsten PR-Fuzzi“ beizutragen. Andere echauffierten sich und fanden den Beitrag als unverschämt. Man solle sich doch mal die „Großen“ vorknöpfen und nicht „auf die kleinen Leute“ einhauen. Naja. Mal abgesehen davon, dass noch zu klären wäre, ob sich Dr. K als Vertreter der „kleinen Leute“ sieht. Wenn jemand Pressemitteilungen verschickt und eine wie auch immer gepflegte Homepage im Internet betreibt, dort auf zahlreichen Fotos mit extravaganter Brille posiert, dann muss man doch damit rechnen, dass dies mal aufgegriffen wird. In so einem Fall muss man auch nicht groß nachfragen. Die Selbst-Präsentation des Dr. K spricht für sich. Und das mit Nachdruck.

Das „Handelsblatt“ hat auf das kleine Tabloid-Format umgestellt und muss sich jetzt mit den Kinderkrankheiten einer solch radikalen Neuerung herumschlagen. Die Schrift wurde zum Beispiel von vielen als zu klein kritisiert. Chefredakteur Bernd Ziesemer räumte öffentlich ein, dass noch nicht alles perfekt ist: „Das Ganze ist eine riesige Herausforderung, auch druck-technisch. Da wird noch kräftig geübt, in zwei bis drei Wochen wollen wir es aber perfekt hinkriegen“, sagte er. Und während das „Handelsblatt“ übt, wetzt die Konkurrenz die Messer. Die „FAZ“ konnte es nicht lassen, die Mittbewerber aus Düsseldorf mit einer wuchtigen Eigenanzeige am Montag ein wenig zu sticheln. Auf einer kompletten Doppelseite druckten die Frankfurter ein Foto des Nilpferdbabys Gipoko von 2004 aus dem Frankfurter Zoo in Originalgröße (!) ab. Dazu der Text: „Faszination in voller Größe. Anzeigen im F.A.Z.-Format.“ Die Düsseldorfer Kollegen werden es sportlich nehmen.

Beim manchmal als Kukident-Kanal geschmähten ZDF gibt man sich ganz modern webzwonullig und hat für „Wetten dass..?“ eine eigene Facebook-Seite eingerichtet. Nun kann man das Treiben von Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker live bei Facebook kommentieren. Das Fernsehgucken und gleichzeitige Kommentieren des Gesehens im Live-Internet ist mittlerweile ein beliebter Volkssport in Netz-Kreisen geworden. Der Branchendienst DWDL veranstaltet zu TV-Highlights, ebenfalls über Facebook, ein so genanntes „Lagerfeuer 2.0“ und bei Twitter wird über „Wetten dass..?“, „Bauer sucht Frau“ oder „Tatort“ auch eifrig diskutiert. Das Mitmach-Web wird zum Mitrede-Web. Blöd nur: Man weiß jetzt schon gar nicht mehr, wo man seinen Senf zur „Wetten dass..?“-Sendung hindrücken soll. Bei Twitter, bei Facebook, bei DWDL oder bei allen drei gleichzeitig? Das dürfte selbst Hardcore-Kommentierer überfordern.

Man kann von Kai Diekmann dieses oder jenes halten. Aber selbst seine Feinde müssten eigentlich anerkennen, dass sein Blog mit einigem Schwung daherkommt. Das ist jedenfalls alles deutlich online-affiner, interessanter und auch lustiger als vieles, was deutsche Journalisten und Chefredakteure sonst so zusammenbloggen. Mit dem Logo, den bedruckten Unterhosen und dem ganzen „KD“-Brimborium macht sich Diekmann selbst zur Marke. Und das ist heutzutage nicht die dümmste Strategie, die ein Journalist verfolgen kann.

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