ProSiebenSat.1 und das Prinzip Hoffnung

Die Zeiten für ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling bleiben hart und die Zukunft ungewiss. Gerade hat er für seinen TV-Konzern die Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Der Umsatz der Gruppe sank um knapp acht Prozent auf knapp 560 Mio. Euro. Und da ist der Verkauf des nordeuropäischen Pay-TV-Senders CMore bereits rausgerechnet. Das operative Ergebnis, ebenfalls ohne CMore gerechnet, blieb mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 94,4 Mio. Euro stabil. Zu verdanken hat die Gruppe dies allein harten Sparmaßnahmen.

Anzeige

„Die Refinanzierung des Programms durch Distributionserlöse und Nutzungsentgelte wird eine immer wichtigere Rolle spielen“, sagte Ebeling anlässlich der Präsentation der Zahlen. Gemeint ist damit u.a. der Start von neuen digitalen Pay-Sendern sowie Nutzungsgebühren für die Verbreitung von der hochauflösenden Verbreitung der Free-TV-Sender via Satellit. Als positives Beispiel für neue Erlösmodelle abseits der Werbung nannte Ebeling außerdem das wachsende Musikgeschäft der Gruppe.

Auch bei der Werbung versucht ProSiebenSat.1 neue Wege zu gehen. So werden seit einiger Zeit, Werbeplätze auch gegen eine Umsatzbeteiligung vermarktet. „Mit den ersten zehn Projekten, bei denen wir Media-Leistung gegen Umsatzbeteiligung vergeben, haben wir einen guten Anfang gemacht“, sagte Ebeling, ohne freilich Details zu nennen. Die ersten drei Quartale des Jahres zusammengenommen ist der Umsatz um 8,6 Prozent gesunken. Das operative Ergebnis verbesserte sich in den ersten drei Quartalen um 4,1 Prozent.

Dass das operative Ergebnis stabil dasteht verdankt die Gruppe einzig und allein den anhaltenden Sparmaßnahmen. In den ersten drei Quartalen sanken die Kosten um 11,4 Prozent (193,2 Mio. Euro), allein im dritten Quartal wurden die Kosten um fast 50 Mio. Euro gedrückt. Vor allem die Programmkosten wurden zurückgefahren. Und durch die Verlegung von Sat.1 von Berlin nach München haben sich Synergie-Effekte ergeben.

Die Marktanteile der deutschen Sender Sat.1, ProSieben, kabeleins und N24 konnten zusammen um 0,8 Prozentpunkte auf 30,5 Prozent gesteigert werden. Unterm Strich macht die Sender-Gruppe aber nach wie vor Verluste. Im dritten Quartal lag das Minus bei 18,7 Mio. Euro. Immerhin weniger Miese als noch im Vergleichsquartal des Vorjahres. Da lag das Minus noch bei 20 Mio. Euro. Die drückende Verschuldung der Gruppe wurde um 7,4 Prozent zurückgefahren auf immer noch astronomische 3,534 Mrd. Euro.

Angesichts der hohen Schulden und der nach wie vor miesen Aussichten bei der TV-Werbung, sind die Pläne für Pay-Sender und HDTV-Gebühren sehr zarte Hoffnungspflänzchen. „Weiterhin geringe Marktvisibilität“, heißt es in der Mitteilung zu den Quartalszahlen. Man könnte auch sagen: Man hat keine Ahnung, wie es weitergeht. Bei ProSiebenSat.1 regiert das Prinzip Hoffnung.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige