D’Inka glaubt an gedruckte „FAZ“ 2024

Eine kühne Prognose: Werner D'Inka, einer von fünf Herausgebern der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", glaubt, dass sein Blatt auch in 15 Jahren noch sieben Mal in der Woche erscheinen wird, und zwar gedruckt und mit "wahrscheinlich stabiler Auflage". Grundlage dafür, sagte D'Inka in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk zum 60-Jährigen Jubiläum der "Zeitung für Deutschland", sei es, "ohne Wenn und Aber auf Qualität" zu setzen. Die FAZ werde "derzeit" nicht in der Redaktion sparen.

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D’Inkas Plädoyer für gedruckte Seriosität klingt sehr überzeugt: „Sie müssen den Lesern das Gefühl geben, in dem ganzen Gewimmel von Informationen einmal am Tag etwas Abgeschlossenes in der Hand zu haben, auf das man sich für 24 Stunden verlassen kann. Ich glaube, das ist eine der Stärken der gedruckten Zeitung.“ Gefragt nach dem Durchschnittsalter des FAZ-Lesers, sagt der langjährige Chef vom Dienst der Zeitung: „Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ist er 52.“
Im Unterschied zu den meisten Tageszeitungen kann sich die FAZ eine gewisse Gelassenheit derzeit leisten: die tägliche Auflage steigt leicht, die der sonntäglichen FAS sogar beachtlich. Das gilt allerdings nicht für die Einnahmen. Einsparungen in der Redaktionen – wie bei der „Süddeutschen“ – seien nicht geplant: „Der Verlag hat schon in den zurückliegenden Jahren vorausschauend gewirtschaftet. Wir haben keine Schulden.“ Die Redaktion müsse auch arbeitsfähig bleiben: „Wir bringen ja seit 2001 mit der Sonntagszeitung zwei Titel heraus sowie das Internet. Das verbietet, dass wir derzeit in die Redaktion personell einschneiden.“ Hier lässt D’Inka allerdings unerwähnt, dass die FAZ in der ersten Zeitungskrise 2002/2003 im dreistelligen Bereich Redakteurs-Stellen abgebaut hat.
Der Probleme der Branche ist sich D’Inka natürlich bewusst, und sofort kommt Google ins Bild: „Die deutschen Zeitungen geben im Jahr etwa zehn Milliarden Euro für ihre Redaktionen aus (…) – und dann stellen sie alles ins Internet und schauen zu, wie Google dadurch reich wird.“  Als Gegenstrategie fallen die derzeit geläufigen Stichworte: Paid Content, Leistungsschutzrecht, ein GEMA-artiges Modell. Danach wird der FAZ-Herausgeber grundsätzlich, aber auch etwas undeutlich: „Vielleicht müssen wir auch der Gesellschaft die Frage stellen: Was ist Qualitätsjournalismus, was ist eine konzernunabhängige seriöse Zeitung wert?“
In der Online-Ausgabe zeigt sich FAZ übrigens durchaus zeitgemäß: Zur 60-Jährigen Geschichte gibt es eine 12-teilige Klickgalerie mit dürftigen Texten („Das Blatt nahm sich vor, eine Stimme Deutschlands in der Welt zu werden“), als Bonbon immerhin die erste Ausgabe von 1949 komplett als PDF.

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