VZ-Erpressung: Fragen nach dem Suizid

Der 20-Jährige, der wegen mutmaßlicher Erpressung und den Diebstahl von Daten der Web-Plattform SchülerVZ in Berlin in Untersuchungshaft saß, hat nach dpa-Informationen Selbstmord begangen. Der Verdächtige wurde in seiner Zelle in der Jugendstrafanstalt Plötzensee tot gefunden. Der aus Erlangen stammende Mann war vor zehn Tagen festgenommen worden. Es soll versucht haben, die Holtzbrinck-Tochter VZ-Netzwerke um 80.000 Euro zu erpressen. Die Hintergründe sind unklar, viele Fragen bleiben offen.

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Der 20-Jährige war mit Hilfe eines Crawlers in den Besitz von angeblich rund einer Million Datensätzen von SchülerVZ-Nutzern gelangt. Daraufhin drohte er, die entsprechenden Dateien nach Osteuropa zu verkaufen. Verhaftet wurde er in den Büroräumen der VZ-Zentrale in Berlin.
Der Hergang der Verhaftung wurde bereits im VZ-Blog nacherzählt: „Wie bereits in vorherigen Updates geschrieben, hatten wir Kontakt zum Tatverdächtigen. Diese Kontakte dienten dem Ziel, die Daten schnellstmöglich zu sichern bzw. zu löschen. Die Übergabe der Daten sollte am Sonntag Abend in unserem Büro erfolgen. Dabei kam es zu einem Erpressungsversuch, in dessen Folge wir die Polizei riefen.“
Diese Schilderung lässt viele Fragen offen. Wenn es sich bereits im Vorfeld um einen „Tatverdächtigen“ handelte, ist merkwürdig, dass es sich erst im Verlauf des Gesprächs in der VZ-Zentrale zum „Erpressungsversuch“ kam. Die eigentlichen Hintergründe des Datenklaus sind weiterhin dubios. Es scheint wenig plausibel, dass es sich um eine geplante und gesteuerte Tat eines Kriminellen gehandelt hat. Umso tragischer ist der Ausgang des Falls, zumal dem 20-Jährigen kaum eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung gedroht hätte.
Dass der Mann aus Erlangen die erbeuteten Daten vor seiner Verhaftung mehrere Tage lang in Web zum freien Download angeboten haben soll, passt ebenso wenig zum Erpressungsvorwurf. Wie oft die Datei dabei von anderen Nutzern heruntergeladen wurde, ist noch unklar. Es scheint jedoch sicher, dass noch weitere Kopien existieren und sich im Umlauf befinden.
Allerdings sind Selbstmorde in den Jugendvollzugsanstalten der Hauptstadt keine Einzelfälle. Es ist nicht auszuschließen, dass auch die Haftbedingungen einen Einfluss auf die fatale Entscheidung des Untersuchungshäftlings hatten. Die Berliner Justizbehörde wird den Fall des 20-Jährigen wohl ebenfalls genauer zu untersuchen haben.

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