sid: 80 Sportreporter lernen Video

Energische Neuausrichtung beim Sport-Informations-Dienst (sid): Die Nachrichtenagentur für Sport steht kurz davor, zusätzlich TV-Inhalte zu produzieren. Dazu wird mit Timon Saatmann vom Senderverbund um ProSiebenSAT1 und N24 ein Spezialist im Rang eines Chefredakteurs engagiert. Schon bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver im Februar 2010 werden zwei Mitarbeiter nur für Videos unterwegs sein. Mittelfristig sollen alle 80 Redakteure geschult und ausgerüstet werden.

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Der zur französischen AFP gehörende sid steht vor ähnlichen Problemen wie die Rundum-Agentur dpa: Die lokalen und regionalen Zeitungen dünnen aus, die Ansprüche der Kunden erweitern sich in Richtung Multimedia. „Ambitionierte Regionalzeitungen wollen Fernsehen“, erklärte Geschäftsführer Michael Cremer dem Branchendienst „kress“. Der künftige Video-Service „sid TV“ erinnert im Ansatz etwas an Kai Diekmanns Video-Offensive bei „Bild“: Alle schreibenden Reporter sollen eine handliche Videoausrüstung im Rucksack haben und bei Gelegenheit kurze Interviews und Schnappschüsse „mitnehmen“. Der Erwerb von Bild-Rechten für die eigentlichen Sportereignisse ist nicht geplant.

Während die Idee der Halbamateur-Filme bei „Bild“ weitgehend verpufft scheint, schlägt der sid einen nachhaltigeren Weg ein. Der zukünftige Chefredakteur Saatmann war zuletzt N24-Sportchef, von dort kennt ihn auch sid-Geschäftsführer Cremer, der bei N24 bis 2008 Mulitimedia-Leiter war. „Wir verstehen uns als der Nachrichtendienstleister für Sportmedien und wollen den Wandel mitvollziehen“, sagte Cremer zu „kress“.
In der Redaktion wird die Initiative dem Vernehmen nach begrüßt; im Haus ist die Dringlichkeit von neuen Geschäftsideen spätestens seit der angekündigten Schließung des Lepiziger Büros allen bewusst. Dazu gehört auch der Plan, für freie Sportfotografen als Agentur und Vertriebskanal tätig zu werden.
Der sid, seit 1998 ganz im Besitz der halbstaatlichen französischen AFP, setzt im Jahr etwa acht Millionen Euro um. Die Zentralredaktion mit rund 60 Mitarbeitern wird 2010 aus Neuss in neue Räume in der Kölner Innenstadt umziehen: Ein Neustart auf allen Ebenen.

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