„Wired“ zeigt die Zukunft der Print-Anzeige

Ganzseitige Anzeigen in Magazinen werden oft überblättert, ihre Wirkung auf das Kaufverhalten ist umstritten. Damit sich gedruckte Werbung für Inserenten wieder rechnet, testet das amerikanische Magazin "Wired" in seiner aktuellen Ausgabe den Bilderkennungsdienst von Kooaba. Der Leser schießt mit der App auf seinem iPhone oder Android-Smartphone ein Foto von der Anzeige, Sekunden später blickt der Nutzer auf zusätzliche Produktinformationen. Sind interaktive Anzeigen die Zukunft im Printgeschäft?

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Ganzseitige Anzeigen in Magazinen werden oft überblättert, ihre Wirkung auf das Kaufverhalten ist umstritten. Damit sich gedruckte Werbung für Inserenten wieder rechnet, testet das amerikanische Magazin „Wired“ in seiner aktuellen Ausgabe den Bilderkennungsdienst von Kooaba. Der Leser schießt mit der App auf seinem iPhone oder Android-Smartphone ein Foto von der Anzeige, Sekunden später blickt der Nutzer auf zusätzliche Produktinformationen. Sind interaktive Anzeigen die Zukunft im Printgeschäft?  
„Einen Geschmack von der Zukunft der Print-Anzeige“ will Howard S. Mittman, Herausgeber von „Wired“ aus dem Condé Nast Verlag, seinen Lesern bieten. Auf einer ganzen Seite in der aktuellen Ausgabe des amerikanischen Technikmagazins erklärt Mittman die Funktionsweise für die 47 Anzeigen. Als Anreiz werden Produkte im Wert von 10.000 Dollar aus dem Wired-Store verlost, dazu müssen die Leser nur ein Foto der Seite einsenden. Genau darin besteht die Funktionsweise der interaktiven Anzeigen.
So funktioniert’s: Der Nutzer schießt mit der kostenlosen App des Schweizer Anbieters Kooaba ein Foto der Werbung. Die App schickt das Foto zum Kooaba-Server, wo eine Bilderkennungssoftware es analysiert und beispielsweise als Glenfiddich-Anzeige von Seite 89 erkennt. Wenige Sekunden später hat der Nutzer die Zusatzinformationen auf seinem Smartphone. In diesem Fall ist es etwas ernüchternd, da man die Anzeige lediglich seinen Freunden empfehlen kann oder die Webseite von Glenfiddich aufrufen. Auch LG verschenkt die Chance und verlinkt gerade mal zu Best Buy, wo man den beworbenen LCD-Fernseher für 2.199 Dollar kaufen kann. Wenn hierin die Zukunft der Anzeigenseiten liegen soll, müssen die Hersteller die digitalen Möglichkeiten intelligenter nutzen.

Wie Microsoft, das immerhin einen Link zu einem Video über Office 2007 bietet. Auch T-Mobile, mit einem vierseitigen Advertorial in der Ausgabe vertreten, nutzt die Möglichkeiten besser. Neben einem Link zum Werbespot mit Whoopi Goldberg, kann man beim T-Mobile Kundenservice anrufen oder dem Unternehmen bei Twitter folgen. Das Google-Handy „My Touch“ 3G gibt es auch direkt für 150 Dollar zu kaufen – ein Klick genügt.
Wirklich alle Möglichkeiten nutzt der Armaturen-Hersteller Delta Faucet. Die Anzeige für einen Wasserhahn ist mit Amazon, der Unternehmens-Webseite und einem YouTube-Video verlinkt. Man kann dem Unternehmen eine Mail schreiben oder direkt anrufen. Neben der Empfehlung an Freunde per Mail kommen noch Empfehlungsmöglichkeiten bei Diensten wie Digg, Reddit und Twitter hinzu.
Interessant wäre es zu erfahren, welcher der 47 Anbieter die höchste Response-Quote in dem Testlauf erzielt. Der große Vorteil der Kooaba-Methode: Sie kommt ohne Barcode oder Zeichenfolge aus. Die Software erkennt das normale Anzeigenmotiv und zwar erstaunlich gut. Selbst wenn die Seite leicht gewellt vor der Linse liegt, von der Seite fotografiert wird oder das Motiv nur teilweise abgebildet ist, die App hat bei allen Versuchen fehlerfrei gearbeitet.

Das Schweizer Start-up entstand Ende 2006 als Spin-off der Eidgnössischen Technischen Hochschule in Zürich. Im ersten Schritt ließen sich damit Kinoplakate, CD- und DVD-Cover fotografieren. Dann erhält der Nutzer Trailer, Inhaltsbeschreibung und Kinozeiten aufs Handy. Bei CDs und DVDs führen Links zu iTunes, eBay und Amazon. Die geschossenen Fotos können dauerhaft auf dem Kooaba-Server abgelegt und später wieder aufgerufen werden.
Die weiteren Einsatzgebiete liegen auf der Hand: Verkauf von Tickets mit einem Foto des jeweiligen Plakats für Konzerte oder Sportveranstaltungen. Das Foto eines Weinflaschenetiketts führt zu einer Weinbesprechung, und das Bild eines Denkmals liefert eine audiovisuelle Beschreibung der Sehenswürdigkeit. Ob diese Methode die gedruckte Anzeige retten kann, ist ungewiss. Doch die Entwicklungsmöglichkeiten für Kooaba und ihre Technologie sind überaus vielversprechend. Und eine Hoffnung für die unter Druck geratene Printbranche.

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