„Lettre“ verklagt „Bild“ auf Schadensersatz

Die Kulturzeitschrift "Lettre International" will laut "kress" Schadensersatz von "Bild" erklagen. "Bild" und "Bild.de" hätten das Skandal-Interview, das "Lettre" mit dem Bundesbanker Thilo Sarrazin geführt hat, "weit über tolerierbare Umfänge hinaus" übernommen. "Lettre"-Chef Frank Berberich sagte zu "kress": "Wirtschaftlich gesehen ist das schlichter Diebstahl." Vertreten wird "Lettre International" vom Berliner Anwalt Johannes Eisenberg, dem Intimfeind von "Bild"-Chef Kai Diekmann.

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Diekmann widmet Eisenberg in seinem mit großem Rummel gestarteten neuen Weblog sogar einen Eintrag in der Rubrik „Anwalts Liebling“, in der sich Diekmann mit „Impressionen aus dem Krisengebiet Presserecht“ auseinandersetzt. Nun könnte dort bald ein neuer Blog-Beitrag folgen. Die bisher weitgehend unbekannte Kulturzeitschrift „Lettre International“ kostet im Handel 17 Euro und habe laut Chefredakteur Berberich das Sarrazin-Interview nicht gratis verbreiten wollen. In dem Interview machte Sarrazin einige heftig umstrittene Äußerungen zur Integration von türkisch- und arabischstämmigen Mitbürgern.

Durch die Veröffentlichung der wesentlichen Passagen durch „Bild“ sieht der Chefredakteur nun seine ökonomischen Interessen verletzt. Interessant ist der Fall auch deswegen, weil die Axel Springer AG einer der deutschen Verlage ist, der sich am vehementesten für ein so genanntes Leistungsschutzrecht einsetzt, also für eine Vergütung von übernommenen Inhalten. Das Verhalten von „Bild“ in dieser Sache widerspricht in der Tat der, nicht zuletzt von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner vorangetriebenen, Hamburger Erklärung zum Leistungsschutz.

Von Springer-Seite gibt es bisher keine Reaktion auf die Schadensersatzansprüche von „Letre International“ wegen des Thilo-Sarrazin-Interviews. Man könnte vermuten, dass der Verlag den ökonomischen Schaden bestreitet und auf die massive Werbewirkung verweist, die „Lettre International“ durch die „Bild“-Berichterstattung über das Sarrazin-Interview erhalten hat. Das wäre freilich ein bisschen wie „verkehrte Welt“. Denn dann würde Springer wie Google argumentieren und „Lettre International“ wie Springer. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive.

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