Die drei Gesichter des Kai Diekmann

Das Weblog von "Bild"-Chef Kai Diekmann sorgt für ordentlich Rummel. Diekmann zeigt einmal mehr, dass er für seine Gegner nicht leicht zu packen ist. Angriffe pariert er mit Intelligenz und Witz, so dass Kritiker schnell wie humorlose Mäkel-Heinis dastehen. Der lustige Provo, den Diekmann in seinem Blog gibt, ist aber nicht das einzige Gesicht des "Bild"-Chefs. Gerade hat seine Frau Katja Kessler ein Buch mit Kolumnen veröffentlicht, in dem Leser eine weiche Seite an Kai Diekmann kennenlernen können.

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Das Weblog von „Bild“-Chef Kai Diekmann sorgt für ordentlich Rummel. Diekmann zeigt einmal mehr, dass er für seine Gegner nicht leicht zu packen ist. Angriffe pariert er mit Intelligenz und Witz, so dass Kritiker schnell wie humorlose Mäkel-Heinis dastehen. Der lustige Provo, den Diekmann in seinem Blog gibt, ist aber nicht das einzige Gesicht des „Bild“-Chefs. Gerade hat seine Frau Katja Kessler ein Buch mit Kolumnen veröffentlicht, in dem Leser eine weitere, eine weiche Seite an Kai Diekmann kennenlernen können.

Katja Kessler schrieb die in dem neuen Buch „Frag mich Schatz, ich weiß es besser!“ zusammengefassten Kolumnen ursprünglich für die Frauenzeitschrift „Für Sie“. Für die Buchfassung hat sie dann noch einige neue Folgen der täglichen Irrungen und Wirrungen des Alltags im Hause Kessler/Diekmann neu verfasst. Dass der Ehemann der Autorin, der im Buch fast immer nur als „Schatzi“ präsent, neben seiner Tätigkeit als Hausherr auch noch Chefredakteur von Europas größter Tageszeitung ist, fällt bei dem Kessler-Buch unter den Tisch. Hat ja auch nix mit dem Kolumnen-Thema Familien-Alltag zu tun.

Wenn man „Schatzi“ jeweils durch „Kai Diekmann“ ersetzt, ergeben sich bei der Lektüre aber an der einen oder anderen Stelle einige besondere Momente, die den gerne dämonisierten „Bild“-Chef in neuem, weicheren Licht erscheinen lassen. Einige Beispiele: So schaut, laut Buch, Kai Diekmann gemeinsam mit seiner Gattin vor dem Einschlafen gerne noch de „Shopping-Kanal“ im Fernsehen. Katja Kessler: „Seit jeher der größte Glücksmoment unserer Ehe.“ (Seite 57 f.)

Kai Diekmann hängt an Dingen. So zu Beispiel an seiner „oberhässlichen, alten Harley-Davidson-Motorradjacke“ (Seite 104). „‚Mich gibt’s nur mit Jacke!‘ hat ‚Schatzi‘ erklärt.“ Oder an seinem Lieblingskaffeepott, den er von seiner Panama-Reise mitgebracht hat und den die Gattin Klempnern zum Pausen-Kaffee reichte. Die Reaktion des Gatten lässt Katja Kessler über ihr Ableben sinnieren: „Wenn es mal soweit ist, hoffe ich, dass Schatzi an meinem Grab genauso weint wie bei dem Gedanken, seiner verschissenen Tasse könnte etwas zugestoßen sein.“ (Seite 183 f.)

Kai Diekmann hockt gerne zuhause auf dem Sofa und guckt 80er-Jahre-Krimis, außerdem spielt er gerne Brickbreaker auf seinem Blackberry. (Seite 129) Die Diekmann-Kesslers machen gerne Urlaub in Dänemark. Das Lieblingsessen des „Bild“-Chefs im Urlaub: „Fritten mit Mayo im Mischungsverhältnis 1:10“. (Seite 131) Genug Stoff für eine kuschelige Homestory in bestem „Bild“-Style.

Aber wer ist nun der wahre Kai Diekmann? Dieser grundsympathisch gezeichnete Normalo-Pappi aus dem Kessler-Buch, der über-egomanische Selbst-Ironiker aus dem Weblog, der seine Initialen auf Damen-Höschen drucken lässt und sie dann zu Gunsten von „Herz für Kinder“ verkauft? Oder der ideologisch getriebene „Bild“-Zeitungs-Teufel, den das Bildblog so gerne als Menschenwürde fressenden Demagogen an die Wand malt? Vielleicht wohnen ja alle drei Seelchen in seiner breiten Chefredakteurs-Brust.

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